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Montag, 01.10.2007

Beim Ausmisten des Bücherregals: Die DDR aus westdeutscher Sicht


Das habe ich schon mal geschrieben: kein Platz mehr in unseren Bücherregalen, besonders da, wo die politischen Bücher stehen. Schon mal versucht auszumisten, aber dann festgelesen und das alte Buch von Lafontaine behalten.


Aber jetzt! Da sind doch ein paar alte Gesetzestexte, Ausländer- und Arbeitsrecht von 1974, längst überholt, die können raus und schaffen Platz für "Einfach abgehängt - ein wahrer Bericht über die neue Armut in Deutschland" von Nadja Klinger und Jens König. Ich bin froh, dass ich es wegstellen konnte, denn als ich es gestern zuende gelesen hatte, war mir den ganzen Abend fast schlecht von dem was da so berichtet wird.


Zu den überholten Texten gehört auch eine schmale grüne Broschüre: "77 praktische Tips für Besuche in der DDR und aus der DDR und für andere Kontakte hier und dort", herausgegeben vom Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen November 1975. Soll ich die wirklich wegwerfen? Nostalgie, oder eigentlich ist das ja echte Geschichte. Ich weiß nicht, wo ich das Ding her habe, denn ich hatte ja nie Gelegenheit, in die DDR zu reisen, bis Frühjahr 1990, als schon alles anders war. So habe ich dieses Traktat heute zum ersten Mal aufgeschlagen. Da stehen ja lustige Sachen drin, z.B. dass man Päckchen in die DDR und Geschenke, die man dorthin mitbrachte, von der Steuer absetzen konnte ;-).


Nein, ich werde das nicht in die Blaue Tonne Kloppen! Für die 5 mm deutscher Geschichte ist noch Platz im Regal.


Und soeben, als ich versuche, die grüne Broschüre neben den Grundlagenvertrag zu quetschen und suche, ob ich noch etwas aussortieren kann, finde ich eine rote Broschüre "Der Alltag in der DDR" herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung 1983. Auch nie gelesen, aber jetzt! Die Ebert-Stiftung war ja nun nie sehr sozialismusfreundlich, aber hier schien sie doch mit den gängigsten Vorurteilen gegenüber der DDR aufräumen zu wollen. Das werde ich jetzt wirklich lesen!


Ich würde was drum geben, Kranich, Clown oder Outsider diese Dinger zeigen zu können, wie sie das finden..;-).


 

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Kommentare

kranich05 am 01.10.2007 - 23:22

Daran wär ich total interessiert. Auch deshalb, weil ich daran denke, wie Du vielleicht mitgekriegt hast, ein Projekt "DDR-Stimmen", das natürlich auch (Kontrast-) Stimmen ÜBER die DDR vertragen könnte,in Gang zu bringen.
http://opablog.twoday.net/stories/4296076/

eule70 am 02.10.2007 - 00:46

Deinen Eintrag "DDR-Stimmen" habe ich prompt verpasst, weil ich ein paar Tage nicht in die Blogroll geguckt hatte. Aber jetzt; ist ja ein Riesen-Vorhaben! Ich könnte dazu von mir selber nur 0,00 beitragen, meine Erfahrungen beschränken sich auf Begegnungen mit VoPos bzw. Zollbeamten in Helmstedt und Frankfurt/Oder.
Die beiden Broschüren könnte ich Dir in Fotokopie schicken, was Aufgabe unserer geliebten Blog-Anonymität bedeuten würde (:-) auf Deinem Blog finde ich nicht einen Hauch von einem Impressum oder einer E-Mail-Adresse; in meinem schlecht leserlichen Impressum findest Du immerhin meine E-Mail-Adresse).
Die Broschüre "Alltag in der DDR" ist Teil einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebenen Reihe "Die DDR - Realitäten - Argumente", in der von 1970 bis offenbar zur Wende alle möglichen Teilbereiche aus Sicht des rechten SPD-Flügels beleuchtet wurden; diese Broschüre von 1983 trägt die Nummer 77. Die Dinger müssten eine wahre Fundgrube über die Rezeption der DDR in der BRD sein! Zu bestellen waren sie damals bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Gesellschaftspolitische Information, Godesberger Allee 149, Bonn. Die heutige genaue Adresse mit Tel. etc. siehe www.fes.de.
Das andere, neckisch aufgemachte Heftchen über Besuche, vom Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, das es ja nicht mehr gibt, dürfte sich nur noch im Bundesarchiv befinden.
Aber Dein Projekt müsste sehr interessant werden.

kranich05 am 05.10.2007 - 23:50

In mein "Riesen-Vorhaben" möchte ich mich nicht blindlings stürzen, deshalb antworte ich etwas verzögert.
Und grundsätzlich: Solange ich allein daran bastele, werde ich bewußt nur Trippelschritte machen.
Absolut im Mittelpunkt sollen private/unveröffentlichte Dokumente von DDR-Bürgern aus der damaligen Zeit stehen. An 2. Stelle persönliche Erinnerungen von DDR-Bürgern. An 3. Stelle alles Übrige. Da könnten dann solche Broschüren, wie Du sie hast, sehr gut passen. Am liebsten würde ich mal paar Seiten Beispieltext besonders von der Ebert-Broschüre sehen. Könntest Du mir solche "Schnupperkopie" schicken? Eventuell einfach fotografieren und als Bild schicken.
Meine Emiladresse schicke ich Dir, sobald ich Deine gefunden habe.
Ich habe mich um Impressum o.ä. nicht gekümmert, weil ich ja keine eigene Website habe und meine Daten im Notfall eh der Provider rausgibt.
Mir ist übrigens Internet-Anonymität nicht so wichtig. Ich habe schon viele Spuren hinterlassen, die eine identifizirung ermöglichen.

Mit herzlichem Gruß

bembelkandidat am 09.10.2007 - 00:05

also bloß nicht wegwerfen, das ist anschauliches material zur sog. zeitgeschichte, gut, daß du es aufhebst :-) schade, daß wir im netz nicht auch mal einen blick reinwerfen können, würde mich interessieren, was da so geschrieben wurde...

eule70 am 09.10.2007 - 01:52

@Bembelkandidat: Könnte man Texte von dem Umfang (je ca. 50 DIN-A5-Seiten) ins Blog einscannen? Das wäre für mich ein Grund, mir einen Scanner anzuschaffen, was ich schon lange überlegt habe, aber bis jetzt bestand bei mir noch kein echter Bedarf. Wäre allerdings auch eine rechtliche Sache, denn das Copyright ist ja bei der Ebert-Stiftung bzw. bei der Bundesregierung (ehemaliges Ministerium für Innerdeutsche Beziehungen).

bembelkandidat am 09.10.2007 - 02:43

texte ins netz stellen via scan ist prinzipiell kein technisches problem (wenn die scans nicht zu groß sind und im guten bild-dateiformat gewählt sind), ist z.b. bei bibliotheken mittlerweile bei alten büchern üblich.

aber: zuerst ist da natürlich das urheberrecht davor, geht also nicht so einfach. mensch könnte ja die stiftung anfragen, ob sie einer netz-veröffentlichung kostenfrei zustimmen würde (ohne kommerzielle interessen, doch da könnte dann wieder kommen, daß der blog-anbieter blogg.de aber werbung mit deinem blog schaltet usw.) daneben könnte die stiftung das selbst ins netz stellen (woran sie evtl. gar kein interesse haben).

sieht alles nicht so gut aus, dann gäbe es aber noch den scan, der privat per mail verschickt werden kann, z.b.

kranich05 am 10.11.2007 - 20:42

Wär doch wohl möglich, jenseits aller Urheberrechtsfragen, mal zum Schnuppern einige Auszüge, im Sinne von Zitaten, ins Netz zu stellen.
Wäre bereit das zu machen, nachdem mir die Eule dankenswerterweise die Kopien geschickt hat.
Liebe Grüße an alle Zeitgeschichtsinteresierten!

eule70 am 11.11.2007 - 02:02

Man darf doch aus Schriften zitieren mit Angabe der Quelle?

bembelkandidat am 12.11.2007 - 01:58

klar sind zitate erlaubt (mit quellenangabe), dabei darf es sich aber wirklich nur um zitate handeln. wenn du eine komplette broschüre als zitat kennzeichnest, dann glaubt dir das wahrscheinlich keiner ;-)

also, ein erläuternder text mit textauszügen, den wichtigsten zitaten, das wäre möglich und hilft den geneigten leserInnen, die wichtigen passagen nicht zu verpassen :-)

bembelkandidat am 14.11.2007 - 02:20

jo vielen dank kranich05, prima idee, hab' ich gleich mal reingelesen und bin neugierig auf mehr geworden... ;-)

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