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Dienstag, 24.11.2009

Willkommen auf meinem "alten" Blog!


In dieses Blog schreibe ich zwar aktuell nichts mehr hinein (außer über Island), aber ich freue mich über alle, die hier herkommen und herumstöbern - vielleicht finden sie noch einiges für sie interessantes.
Besonders die Einträge in der Kategorie "Krieg und Frieden" sind großenteils - leider - noch sehr aktuell.
Seit Ende 2008 schreibe ich hauptsächlich in meinem Blog "Mit den Augen einer alten Eule" . Auch dahin lade ich alle herzlich ein.

Dienstag, 28.04.2009

Weitere Einträge

Neue Einträge findest Du auf http://alteeule.blogage.de

Sonntag, 26.04.2009

Island hat gewählt

Sie haben ihre unfähige – oder
korrupte? - Regierung geschasst. Hoffentlich macht Jóhanna
Sigurðrdottir und ihre Leute es besser.

Übrigens: es geht mir auf den
Zahn, dass als Name der Wahlsiegerin immer nur von "Sigurðardottir"
die Rede ist.


Dass das von den Nachrichtenredakteuren
und anderen Journalisten so schwer zu begreifen ist: In Island gibt
es keine Familiennahmen! Sigurðardottir ("Sigurds Tochter")
bedeutet nur , dass ihr Vater Sigurður heißt und dient zur
besseren Identifizierung.


Die Frau selbst, die künftige
isländische Ministerpräsidentin heißt schlicht
Jóhanna und wird in Island auch sicher von allen so genannt!  Wenn man sehr amtlich sein will, muss man "Jóhanna Sigurðardottir" sagen, aber nur "Sigurðardottir" ist Blödsinn.



Mittwoch, 26.11.2008

Weitere Einträge

...zu anderen Themen stehen in meinem neuen Blog auf http://alteeule.blogage.de

Titel des Blogs: "Mit den Augen einer alten Eule"

Hafnafjörður...


Zum Ballungsraum Reykjavik gehört Hafnafjörður. Uns war es hauptsächlich ein Begriff, weil der dortige Fußballklub schon mal im UEFA-Cup gegen Allemannia Aachen gespielt hat :-), und diesen Sommer mussten wir mehrere Male dorthin, weil unsere gute Kfz-Werkstatt dorthin umgezogen ist.


Dabei ist Hafnafjörður sehr viel älter als Reykjavík; es hatte schon Bedeutung als Hafenstadt, als Reykjavík noch ein Kaff war. Behäbige Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert wie dieses hier zeugen davon:



Jetzt ist Hafnafjörður modern, modern, modern geworden. Hier ein großes mehrgeschossiges Einkaufszentrum:



Offenbar will man nicht vergessen, wie die Stadt früher einmal war, und hat Brandmauern der neuen Gebäude mit Abbildern von Fotos aus den 20er Jahren versehen:



Aber dann zeigt sich der Bauboom bis zum Geht-nicht-mehr: An der Hafenpromenade eine Riesen-Baustelle: Wir fragen uns: es gibt schon so viele brandneue Apartment- und Geschäftshäuser überall in und um Reykjavík; wer von den 320 000 Isländern soll denn hier noch wohnen oder arbeiten?



Wer weiß, ob jetzt nach der Rezession das Ganze hier als Bauruine stehen bleibt....



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Freitag, 21.11.2008

Ein Versuch mit Uhus Fotos


Der Weihnachtrskaktus
PA 280740 5M Fein 1,68 MB :



PA 280751 VGA 66,4 KB :


PA 280752 QVGA 28,4 KB :



Bilder unter 2 MB kann ich heraufladen.
Das Bild von 1,68 MB (Megabyte) (Olympus Bildgröße 5M, Komprimierung Fein) hat die intensivsten Farben; Heraufladen dauert sehr lange.
Bild von 66,4 KB (Kilobyte!) (Olympus Bildgröße VGA, Komprimierung normal) ist blasser;  Heraufladen geht erheblich schneller
Bild von 28,4 KB (Olympus Bildgröße QVGA, Komprimierung normal) ist klein und noch blasser. Auf Größe der andern vergrößern habe ich nicht versucht. Heraufladen sehr schnell.

Fazit: Zum Heraufladen auf blogg.de sollte das Bild in der Kamera auf VGA umgewandelt werden (zumindest bei Landschaftsaufnahmen, die sicher viel mehr Pixel bzw. Bytes haben als diese).
 

Mittwoch, 19.11.2008

Neue Einträge

sind auf dem neuen Blog zu sehen, also hier:



Neue Einträge

sind auf dem neuen Blog zu sehen, also hier:



Dienstag, 18.11.2008

Island und die Religion


Ich behaupte: Das Verhältnis der Isländer zur Religion ist sehr pragmatisch.Sie soll vor allem gegen die Naturgewalten schützen.


Wenn 1729 der Vulkan Krafla ausbrach und die Lava unaufhaltsam auf das Dorf Reykjahlið zuströmte, so dass man sich ausrechnen konnte, in wieviel Tagen das ganze Dorf unter ihr begraben sein würde, wenn sich dann alle Einwohner inder Kirche versammelten und tagelang sangen und beteten - und als die Lava kam begrub sie das ganze Dorf mit allen Häusern unter sich, aber um die Kirche floss sie herum, alle Menschen, die gesungen und gebetet hatten, waren gerettet - wer will da sagen: "Das könnte daran gelegenhaben, dass die Kirche, wie meistens, auf einem erhöhten Platz gebaut war"? Nein, das wird man doch nicht sagen!


Der Übergang Islands zum Christentum im Jahr 1000 war eine Entscheidung des Parlaments, die mit der Politik gegenüber Norwegen zu tun hatte. Die Abstimmung verlief unentschieden, und man überließ die Entscheidung dem Vorsitzenden, dem Goden. Der grübelte einen Tag und eine Nacht lang und entschied sich schließlich dafür, das Christentum als offizielle Staatsreligion anzunehmen, mit dem Zusatz, dass in seinem eigenen Gehöft jeder es halten könne wie er wollte. Als er getauft war, warf er seine geschnitzten Götterstatuen in den mächtigen Wasserfall, der seitdem "Goðafoss" heipt und heute eine Touristen-Attraktion ist.


Uhu lacht: "Schlitzohr Er hat die Statuen nicht verbrannt und nicht zerhackt. Er hat sie ins Wasser geworfen, und Holz schwimmt oben. Da fällt einem sofort der erste Siedler Ingólfur Arnarson ein, der bei der Ankunft an der isländischen Küste die Planken des Hochsitzes seines Schiffs ins Wasser warf, und wo sie an Land treiben würden, das sei der ihm von den Göttern zugewiesene Siedlungsplatz". Uhu meint, der alte Glaube würde wohl irgendwo wieder auftauchen.
Und das tut er, zumindest jetzt. Es gibt so ein paar kleine Gemeinschaften des Asenkults. Auf einem Campingplatz hatte der Besitzer so einen Tempel für Þor (Thor) gebaut. Leider konnten wir nicht mehr hinein; der Erbauer war vor kurzem verstorben, und die Familie hatte wohl nicht so recht den Zugang dazu.


Auch der Übergang zum Protestantismus als neue Staatsreligion war eine politische Entscheidung.


Wenn man in Island Kirchen sehen will, fallen zwei Dinge sehr auf:


Das erste: Wenn man über Land fährt, sieht man immer wieder sehr kleine Kirchlein, alle nach dem gleichen Muster: ein Schiff mit zwei, selten drei Fenstern auf jeder Seite, vorne ein kleiner Turm mit spitzem Dach. Wenn man hinfährt, sieht man einen Bauernhof, oft schon verfallen, höchstens daneben das moderne Sumarhús für die Familie, die längst in Reykjavík wohnt und nur in den Ferien herkommt und zu Familienfeiern, Hochzeit, Kindstaufe. Aber die Kirche ist immer pico-bello, blitzblank angestrichen und sauber hergerichtet.

Meist ist sie offen, innen ist sie meist noch nach der ganz konventionellen lutheranischen Manier eingerichtet: mit Altarschranke, und manchmal die erste Sitzreihe besonders abgetrennt für die Herrschaften (ich sagte schon mal, mit der Demokratie ist es in Island so eine Sache). Immer liegt ein Gästebuch da, und die Familie freut sich ganz offensichtlich, wenn viele Touristen ihre Kirche sehen.


Jeder größere Bauernhof hat seine eigene Kirche! Das hat folgenden Grund: Nach Annahme des Christentums verlangte die Kirche natürlich von jedem Besitzenden eine Abgabe, ich glaube den Zehnten. Davon konnte man sich befreien, indem man selbst eine Kirche baute und unterhielt. Und die isländischen Bauern taten das! Schließlich hatte früher jeder seinen Odinstempel auf seinem Hof - warum nicht jetzt eine Kirche?


Die Selbstverständlichkeit, sich auch heute noch eine eigene Kirche zu bauen, konnten wir auf dem Anwesen des wunderbaren naiven Malers Samuel Jonasson sehen. Das war ein in Rente gegangener Knecht, der hatte ein Altarbild gemalt, das er der Kirche seines Dorfes schenken wollte, aber die Gemeinde wollte es nicht. Da baute er sich eben auf seinem kleinen Grundstück eine kleine Kirche aus Treibholz (darüber werde ich noch schreiben) und hängte das Altarbild dort auf.


Übrigens: dass es neben in Island Christentum und Asenkult noch einen weit verbreiteten Glauben gibt, nämlich den an die Elfen, das ist ja bekannt. Auch der Elfenglaube besteht friedlich neben dem Christentum, wie man hier sehen kann: aus einem Kirchenfenster sieht man genau auf das kleine Haus, dass im Kirchgarten für die Elfen gebaut worden ist!


Das zweite, was auffällt: Die Kirchen in den kleinen Städten sind alle ganz neu, teilweise von sehr schöner moderner Architektur. Das kann m.E. nur damit zu tun haben, dass es früher in Island kaum geschlossene Ortschaften mit nennenswerter Einwohnerzahl gab. Orte mit mehr als ein paar hundert Einwohnern gibt es, abgesehen von Reykjavík und ein paar kleineren Städten, wohl erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts.

P.S.: Die schönsten von meinen alten umgewandelten Analogfotos konnte ich nicht raufladen: zu viele MB! :-(


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Sonntag, 16.11.2008

Endgültiger Umzug

Soweit Ihr mich auf Eurer Blogroll habt, bitte ich Euch, den Link jetzt zu ändern auf "Mit den Augen einer alten Eule" http://alteeule.blogage.de 
Ich werde hier nicht mehr auf meine Einträge dort hinweisen.

Dieses Blog bleibt bestehen, damit die alten Einträge sichtbar bleiben. Um aber zu vermeiden, dass es total mit Kommentarspam zugemüllt wird, habe ich in den Einstellungen "Kommentare automatisch freischalten" auf "Nein" umgestellt. Ich kann nur hoffen, dass das auch klappt, bzw. dass ich zwecks Moderation informiert werde.

Nur über Island werde ich hier noch schreiben, aber auf dem anderen Blog dann darauf hinweisen.

Wir sehen uns also drüben auf blogage.de!

Neonazis - Nach Aachen nun München?

Text in meinem neuen Blog zu lesen: Klick hier!

Dieses Jahr wirklich treu

Diesen Artikel kannst Du auf meinem neuen Blog lesen! Klick hier!

Freitag, 14.11.2008

Besser: eine Wohnung für eine Sache

Jetzt habe ich ein paarmal jeden Eintrag auf meine beiden Blogs gesetzt, damit mich alle Leser erreichen.
Heute stelle ich fest: auf einen Eintrag kommen auf beiden Blogs verschiedene Kommentare, dadurch wird die Diskussion zerstückelt bzw. es kommt keine Diskussion zustande.
Ich werde daher ab jetzt neue Einträge nur auf http://alteeule.blogage.de machen (also "Mit den Augen", nicht mehr "Gedanken" einer alten Eule), und hier auf blogg.de nur darauf verweisen. Vielleicht klappt das ja mal per Trackback!

Donnerstag, 13.11.2008

Unverständliches Urteil des Bundesverfassungsgerichts


Für den Samstag, 8. November, einen Tag vor dem 70. Jahrestag der Reichsprogromnacht, meldeten Neonazis in Aachen einen Aufmarsch mit zwei Kundgebungen an; Titel: "Gegen einseitige Vergangenheitsbewältigung. Gedenken an die deutschen Opfer". Der Polizeipräsident verbot den Aufmarsch mit der Begründung, dass Zeitpunkt und Thema deutlich provokativ gewählt und Volksverhetzungs-Delikte zu erwarten waren.


Der Anmelder der Kundgebung ging vor Gericht. Das Verwaltungsgericht Aachen hob das Verbot auf; allerdings verbot es, dass der einschlägig vorbestrafte Kölner Anmelder auf den Kundgebungen spricht (er ist erst im April aus einer 22monatigen Haft entlassen worden).


Der Polizeipräsident rief das Oberverwaltungsgericht Münster an. Dieses bestätigte sein Vorgehen und verbot in einem Eilverfahren am Freitag Nachmittag den Aufmarsch. Der Anmelder ging zum Bundesverfassungsgericht, das in einem Eilverfahren am Freitag um 21.45 Uhr den Spruch des OVG Münster kassierte und den Aufmarsch erlaubte. Eine Begründung gab es nicht; sie sollte am Montag nachgeliefert werden.


Inzwischen hatten Parteien, Kirchen, Organisationen und Initiativen der verschiedensten Richtungen zu einer Gegendemonstration aufgerufen, und die Polizei bereitete sich auf Auseinandersetzungen vor.


Am Samstag verlief das Ganze dann eher harmlos - wenn man davon absieht, dass "die ganze Innenstadt ein grün-weißes Meer war" - ca. 1500 Polizisten. Auf dem Bahnhof kamen gegen Mittag allmählich knapp100 Neonazis an, die von der Polizei auf einen kleinen Platz seitlich des Bahnhofs verwiesen wurden und dort ihre Reden ohne Zuhörer schwingen konnten. Einen Marsch durch die Stadt hatte der Polizeipräsident verboten, weil der Veranstalter wichtige Auflagen der Polizei nicht erfüllen wollte. Ca. 450 autonome Gegendemonstranten wurden von der Polizei an die andere Seite des Bahnhofs verwiesen, so dass keine Auseinandersetzungen stattfinden konnten. An dem großen Gegendemonstrationszug mit eindrucksvollen Kundgebungen auf dem Markt und an der Synagoge nahmen 3000 BürgerInnen teil.


Allerdings fuhren die Nazis dann ins 30 km entfernte Düren und zogen offenbar dort durch die Stadt mit Rufen wie "Nationaler Sozialismus jetzt".


Ist ja schön, dass die Nazis in Aachen nichts bzw. niemanden erreichen konnten. Aber das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist nicht nur mir unverständlich. Die für letzten Montag zugesagte Begründung ist noch nicht geliefert worden; damit lässt man sich Zeit!


Nun noch eine Bemerkung in eigener Sache:
Die Informationen hier habe ich aus den Aachener Nachrichten und von AN-online. An der Gegendemo habe ich nicht teilgenommen; dafür schäme mich ja doch ein bisschen. Ich sage mir jetzt öfter "Ich bin alt; lass jüngere die politische Fußarbeit machen". Das ist natürlich eine faule Ausrede, denn ich bin noch besser zu Fuß als viele meines Alters, auch als eine Freundin, die trotz schmerzhafter Kniearthrose mitmarschiert ist. Allerdings ist sie der umtriebige Typ - und außerdem eher eine Lerche. Eine Eule ist doch vor 15 Uhr nicht ausgehfertig! ;-) Ich habe früher diesbezüglich wirklich große Opfer gebracht, wenn ich vormittags zu Demos ging....


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Mittwoch, 12.11.2008

Barino ist wieder konvertiert


Mehr durch Zufall kam ich heute auf "Dellings Woche" im WDR und blieb hängen. Es ging um das neue BKA-Gesetz.


Über dieses offenbar grausige Ding möchte ich mich jetzt nicht verbreiten, das müssen kompetentere Leute machen. Ich nahm nur erleichtert zur Kenntnis, dass Gerhart Baum, der aufrechte Liberale, dagegen beim Bundesverfassungsgericht vorgehen wird.


In der Diskussionsrunde saß außer Baum und anderen auch Aiman Mazyek, ein Vertreter des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der sich vor allem dagegen wehrte, dass bei der Terrorismus-Bekämpfung in Deutschland alle Muslimel unter Generalverdacht gestellt werden.


Das gab Delling die Gelegenheit, als Beispiel für muslimische Gewaltbereitschaft den jungen Barino anzuführen, über den es vor einem Jahr eine Fernsehsendung gegeben hat. Ich habe darüber am 27.8.2007 geschrieben. Jetzt saß Barino im Publikum und wurde von Delling interviewt. Er hat inzwischen dem Islam den Rücken gekehrt und hat sich taufen lassen.


Am 3.9.2007, also vor wenig mehr als einem Jahr, hat Barino auf meinem Blog kommentiert und Literatur über den Islam angegeben. Er war offenbar zum Islam gekommen auf der Suche nach einem festeren Halt als ihm sein Elternhaus gab. Er befasste sich sehr ernsthaft mit dem Koran und nahm alles darin wörtlich, auch die Aufforderungen zum Töten, und war zu dem Zeitpunkt mit allem einverstanden. Heute sagte er, er könne sich wohl vorstellen, für Gott oder für seinen Glauben zu sterben - aber andere Menschen dafür töten, nein, das könne er nicht. Der Islam sei keine Religion des Friedens, deshalb sei er dort wieder ausgetreten. Er nimmt den Koran also immer noch wörtlich, aber ist nicht mehr einverstanden.


Aiman Mazyek war verärgert über diese Vorstellung von Barino. Seine These ist, dass die meisten Muslime friedlich und tolerant sind. Das heißt für mich: die meisten Muslime nehmen den Koran nicht wörtlich, sondern interpretieren ihn. Für mich ein sehr normaler Umgang mit der Religion.


Meine im damaligen Blog-Eintrag gestellte Frage: "bist du bereit, auch zu töten?" hat Barino jetzt beantwortet, und zwar mit Nein. Das reduziert die Angelegenheit auf etwas ganz Einfaches: ein junger Mensch sucht eine Orientierung, findet etwas, macht eine Entwicklung durch und verwirft es wieder für sich. Das normalste von der Welt.


Rückblickend bleibt für mich ein fataler Eindruck beim Umgang des Fernsehens mit diesem Barino: Damals haben sie ihn eine lange Zeit auf seinem Werdegang als Konvertit zum Islam begleitet. Jetzt wird er wieder als Konvertit zum Christentum vorgeführt. Sie haben den jungen Menschen in seiner persönlichen Entwicklung "vorgeführt". Oder wie soll ich diese Schau verstehen?


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Dienstag, 11.11.2008

Hessen - hat die SPD endlich was begriffen?


Na endlich! Nach der Katastrophe "erlaubt" die SPD-Spitze gnädig, eine Koalition mit der Linken nicht kategorisch auszuschließen.


Was war das eigentlich immer für Berührungsangst; sie ist völlig idiotisch und irrational. Im Osten existert die auch nicht - weil die Linke dort so stark ist, dass es ohne sie nicht geht, also reiner Opportunismus.


Aber im Westen ist die Linke der "Gottseibeiuns". Ich kann das überhaupt nicht verstehen, denn:


Im Westen waren doch seit dem DKP-Verbot (ich weiß gar nicht mehr, wann das war, jedenfalls sehr lange her) Menschen mit sozialistischer Ausrichtung - außer in ein paar Winz-Splitterparteien - im linken Flügel der SPD bzw. haben mangels Alternative SPD gewählt. Und dieser "linke SPD-Flügel" ist eben jetzt bei der Linken.


Wenn sich die SPD doch mal darüber klar würde: die Linke ist im Westen nur ihr früherer linker Flügel - und damit kann sie doch koalieren ohne "sich selbst zu verraten". Sind die blöd!


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Montag, 10.11.2008

Eine neue Wohnung


Jetzt habe ich also ein neues Blog eröffnet. "Umziehen" kann ich das noch nicht nennen, sagen wir mal "Zweitwohnung", die möglichst bald die erste werden soll.


Ich habe mich nach ausführlichem Stöbern in allen möglichen Bewertungsforen für blogage.de entschieden. Den Ausschlag gab dabei eine Pressemitteilung, dass es sich um ein paar Studenten in Düsseldorf (also in meiner Nähe) handelt, die sich anheischig machen, etwas auch für Laien Verständliches zu bieten, mit möglichst wenig englischen Fachwörtern um sich zu schmeißen und guten persönlichen Support zu geben.


Letzteres habe ich gleich in Anspruch genommen, eine E-mail-Anfrage geschickt, und war richtig begeistert, dass ich tatsächlich in recht kurzer Zeit eine persönlich gehaltene ausführliche Antwort von einem offenbar lebendigen Menschen bekam. Wobei ich allerdings sagen muss: die machen denselben Fehler, den man bei aller möglichen Software findet: wenn sie was verändert oder verbessert haben, vergessen sie, die entsprechenden Hilfetexte umzuformulieren, und man sucht sich dumm und dämlich und muss nachfragen. Aber hier der wohltuende Unterschied: Man bekommt eine Antwort auf seine Nachfrage.


Jetzt allerdings stehe ich wieder auf dem Schlauch. Ich kann das Allereinfachste nicht finden, nämlich wie ich Bloggroll und Kategorien auf die Seitenleiste meiner Blogseite bekomme. Ich hab vor 4 Stunden nachgefragt und noch keine Antwort. Na ja, man kann nicht erwarten, dass die jungen Leute 24 Stunden da sind. Ich werde hoffentlich morgen eine Antwort haben.


Wenn Ihr mich in meiner noch leeren Wohnung besuchen wollt:


Adresse: http://alteeule.blogage.de
Titel: Mit den Augen einer alten Eule


Das könnt Ihr dann auch hier auf der Seite finden - hier weiß ich ja wie das geht! :-)


Ich werde aber hier auf blogg.de noch das eine oder andere schreiben, zumindest alles über Island, damit die Island-Kategorie zusammenbleibt.


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Samstag, 08.11.2008

Wordpress will mich nicht!.


Jetzt habe ich mir einen Abend lang die verschiedenen Blogbetreiber angesehen und mich am Schluss für Wordpress entschieden, das mir ja auch der Bembelkandidat so ans Herz gelegt hat. Aber: die wollen mich nicht!


Bei der Anmeldung auf der deutschsprachigen Seite hieß es: "Email-Adresse schon vergeben". Das stimmt, denn ich habe auf Wordpress schon ein englischsprachiges Blog mit Benutzernamen "oldowl", da habe ich meine Eulen-Email-Adresse angegeben, und dieselbe möchte ich auch auf dem neuen Blog nutzen.


Also auf mein oldowl-Blog gegangen und dort "create 2nd blog" angeklickt. Dort wurde ich nicht nach einem neuen Benutzernamen gefragt. Ich will aber unbedingt mein deutschsprachiges Blog wieder unter dem Namen "eule70" haben und auch dieselbe Email-Adresse dafür nutzen.


Anfrage beim Kontaktformular gemacht, und heute früh kam die Antwort: Geht nicht. Für das deutsche Blog entweder eine neue Email-Adresse oder denselben Benutzernamen wie das englische Blog. Und das will ich nicht. Ich will nicht eine Emailadresse für jedes Blog, und auf keinen Fall will ich im deutschsprachigen Blog meinen Benutzernamen auf "oldowl" ändern. Mir ist wichtig, im ganzen deutschsprachigen Internet bei meinen lichtvollen politischen Äußerungen ;-) immer als dieselbe "eule70" zu erscheinen. Das englische Blog http://oldowl.wordpress.com, das im Moment etwas brachliegt, möchte ich doch beibehalten; die Obama-Wahl bringt mich dazu, vielleicht doch mal wieder was in die anglophone Welt hinauszuposaunen.


Jetzt schwanke ich zwischen blogage.de, twoday.net. und myblog.de. Kann mir jemand was dazu sagen? Myblog soll allzu wenig Speicherplatz haben, wenn man Bilder raufladen will.


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Freitag, 07.11.2008

Wie ein Abmahn-Spam einem den Abend verderben kann


Gestern abend hatte ich so schön Zeit, mal so richtig ins Weblog zu gehen, mich um den Umzug zu kümmern usw. Aber erst mal kurz die E-Mails ansehen.


Und da wars passiert! Auf der Eulen-Adresse, nach den üblichen zig Kommentarspams: Abmahnung! Ich hätte bei Ebay irgendwas verkauft, dabei irgendwas unterlassen, und mir wurde schröckliches angedroht, wenn ich nicht die Anlage öffne und reagiere. Unterschrieben war das von einem G. Frhr. von Gravenreuth, Rechtsanwalt Dipl. Ing (FH) mit voller Adresse in München.


Ich habe noch nie etwas mit Ebay zu tun gehabt; ich mache grundsätzlich möglichst keine Geschäfte im Internet. Die E-Mail-Absenderadresse Shawn Crawford und die bombastische Unterschrift ließen mich vermuten, dass es sich um einen Spam handelt, der mir per Anhang einen Wurm reintun will. Aber Uhu meinte: "Vorsicht! Da kann einer bei Ebay unter Deiner Adresse was getätigt haben, und irgendwann kommen horrende Summen auf dich zu"!. Er hatte darüber gelesen, und man solle sofort Verbraucherberatung und Polizei einschalten.


Das geht natürlich erst morgen früh. Inzwischen noch mal geguckt: komisch - die Mail lag ja im Posteingang meiner Eulen-Adresse, aber in der Adressleiste stand nicht "eule70", sondern "eule68". Na fein, dann richtet sich das ja gar nicht an mich! Aber wie kommt eine Mail an eine eule68 in meinen Posteingang? Da ist doch ein Fehler bei der Telekom! Die Telekom-Hotline angerufen. Das Mädchen war ziemlich unbedarft. Übrigens hatte sie in ihrer Datei für meine Eulen-Adresse auch noch eine andere falsche Zahl stehen! Sie riet mir, entweder zu antworten, dass die Mail fehlgeleitet sei oder die Mail an eule68 weiterzuleiten. Das war uns doch zu heiß.


Ich schaute dann mal ins Online-Telefonbuch, ob dieser Anwalt v. Gravenreuth in München existiert. Und: ja, er existiert! Mit genau der angegebenen Adresse, und eine Telefonnummer gab es auch. Also so ein "Küchentisch-Anwalt", der betrügerische Abmahnungen macht! Die Verbraucherberatung brauchen wir nicht mehr - morgen früh wird sich beim Polizeipräsidium zur Computerkriminalität durchgefragt und Anzeige erstattet!


Dann kam Uhu auf die glorreiche Idee: "Google doch mal Gravenreuth, vielleicht steht da schon was". Und es stand jede Menge! Ein seit Jahren bekannter und verhasster Abmahn-Anwalt, der am 17.9. endlich und zur großen Freude seiner Opfer zu 14 Monaten Knast ohne Bewährung verurteilt wurde! Hat offenbar seine Strafe noch nicht angetreten und macht weiter! Also noch mehr Grund, morgen zur Polizei zu gehen.


Leider fand ich keine neueren Einträge als 17.9. Google geht ja immer nach: da sie nach Relevanz ordnen, also der Menge der Besucher, stehen immer die älteren Beiträge vorne. Da fiel mir ein, bei Google Blog Search zu suchen, denn da kann man nach Datum sortieren.


Und da fand ich es! Jede Menge Leute haben in den letzten zwei Tagen genau dieselbe Mail bekommen wie ich. Also schlicht ein Spam, und im Anhang steckt ein Trojaner - so wie ich es am Anfang gedacht hatte. Nachdem ich einige kompetente Ausführungen, besonders diese hier gelesen hatte, habe ich meine Mail gelöscht, und war froh, mir den nächsten Tag nicht bei der Polizei um die Ohren schlagen zu müssen.


Aber da war es ein Uhr nachts, und da wir uns nach Island vorgenommen hatten, nicht mehr erst um 4 Uhr ins Bett zu gehen, war der Abend gelaufen! :-((


Jezt kommt noch ein böser Brief an die Telekom, denn die scheint ja mit meiner E-Mail ganz schön zu schlampen.


Aber eine Überlegung habe ich doch ;-) : Sollte ich die Trojaner nicht überhaupt zulassen, dass sie mein Verbraucherprofil registrieren? Es ist doch viel besser, mal eine gezielte Werbung zu bekommen, die mich vielleicht interessieren könnte, als diese Unmengen von Viagra, Penisverlängerungen, sexy girls, mit denen ich zugemüllt werde. Brustvergrößerungen, Kosmetik oder nette junge Männer, sowas ist nicht dabei - die wissen ja nicht mal, ob ich Männchen oder Weibchen bin! :-) :-) ;-).


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Dienstag, 04.11.2008

Der WDR zeigt, wie Deutschland die Freiheit am Hindukusch verteidigt


Die Sendung im WDR-Fernsehen lief heute (Montag) um 22 Uhr, und sie wird morgen (Dienstag) um 14:15 - 15:00 wiederholt:


"die story: Leben und Sterben für Kabul - Wie Deutschland am Hindukusch die Freiheit verteidigt".


Der Film berichtet, wie sich das Leben der deutschen Soldaten in Afghanistan so abspielt, völlig sachlich und ohne ausdrückliche Wertung - und entlarvt die Sinnlosigkeit dieses Unternehmens. Der Titel ist pure Ironie.


Ich empfehle sehr, sich die Wiederholung morgen (heute Dienstag 4.11.) um 14:14 - 15:00 Uhr anzusehen, bzw. den Videorecorder dafür anzuwerfen.


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Montag, 03.11.2008

Hessen - der Hammer


Wir wollten ja nur mal im Teletext nachsehen, um planen zu können, wann wir morgen in die Stadt gehen, weil ich vorher unbedingt auf Phoenix oder HR die Wahl im hessischen Landtag sehen wollte - und kamen auf den Text: "Ypsilanti in Hessen gescheitert". Kiefer-runterklapp: wie, haben wir die Landtagssitzung verpasst??


Auf Phoenix kam dann der Bericht, die Pressekonferenz der Vier wurde wiederholt, usw. Bis sechs Uhr saßen wir festgenagelt vor der Glotze.


Man hatte ja gefürchtet, dass "die Ypsilanti uns die Simonis macht", wie sich ein Kabarettist kürzlich ausdrückte, d.h. dass sie eine Stimme zu wenig bekommen würde, und dass das die Stimme des Herrn Walter sein würde, dessen Gewissen schlug, nachdem er offenbar nicht das passende Ministerpöstchen bekommen sollte. Aber dass noch zwei andere nach mehr als einem halben Jahr plötzlich schwere Bedenken hatten, kam etwas unerwartet.. Dabei muss man ihnen ja noch dankbar sein, dass sie sich wenigstens im letzten Moment offen zu ihrem Nein bekannt haben und es nicht gemacht haben wie der "Unbekannte" damals in Kiel. Trotzdem, glaubwürdig sind alle Drei mir nicht mit ihrer plötzlichen Betroffenheit und Gewissensqualen. Der Frau Metzger, die ihre Position von Anfang an klar gemacht hatte, nehme ich das als Gewissensentscheidung ab - aber die beiden anderen Damen? Was ist da gelaufen in ihren heimatlichen Wahlkreisen? Es gibt da ja so manche Abhängigkeiten, so manchen kleinen Vorteil, den man verlieren kann, wenn man sich nicht so verhält, wie manche Leute im Hintergrund es wollen.


Wie wird es jetzt weitergehen? Wird Jürgen Walter mit Roland Koch eine große Koalition eingehen? Das würde passen - in Kiel hat man es ja schon vorgemacht.


Da ist für Hessen eine große Hoffnung zunichte gemacht worden.


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Dienstag, 21.10.2008

Wenn mit den Spams auch die "guten" kommentare gelöscht werden,


...dann wirds ärgerlich!


Leider bietet mein blogg.de keinen Spam-Schutz an.


In letzter Zeit bekomme ich als Kommentare fast nur noch Spams, die ich auf der Admin-Seite, wo die Kommentare untereinander aufgelistet sind, immer sorgfältig lösche: bei jedem Eintrag "Spam" anklicken, "löschen" anklicken, und am Schluss unten auf der Seite "Status ändern", dann sind sie weg.


Gelegentlich ist es schon passiert, dass ein "guter" Kommentar, der in der Liste zwischen zwei Spams stand, obwohl ich ihn ganz bestimmt nicht angeklickt hatte, nach dem "Status ändern" mit gelöscht war. Seitdem lösche ich immer getrennt erst die Spams oberhalb der "guten" Kommentare, dann die unterhalb.


Heute waren die Spams alle am Anfang der Liste - aber als ich sie gelöscht hatte, waren auch die beiden letzten netten echten Kommentare weg! Sehr ärgerlich! Und blogg.de reagiert ja selten auf Fragen und Klage


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Samstag, 18.10.2008

Reich-Ranicki und Gottschalk


Ich habe mir die halbstündige Diskussion zwischen den beiden gestern angesehen und will versuchen wiederzugeben, was mir danach durch den Kopf geht.


Interessant war schon mal, dass hier zwei Leute zusammen diskutierten, die man sonst nicht zusammen sieht: der Kritiker mit Elite-Bildungsanspruch und der Entertainer, der das "Volk" bedient. Beide betonten, dass es ihnen um "Unterhaltung" gehe.


Reich-Ranicki zitierte Schiller, der irgendwo gesagt hat, Zweck des Theaters sei Unterhaltung. Komisch, ich habe immer im Kopf, laut Schiller ist das Theater eine moralische Anstalt.


Reich-Ranicki sprach von Shakespeares Kommödien. Ich gehe da einen Schritt weiter: In jeder seiner Tragödien und den Königsdramen hat Shakespear die Rüpelszenen, seine Dramen sind alle sowohl fürs "Volk" als auch für hochgeistige und moralische Ansprüche. Es ist ja nicht anzunehmen, dass die Leute vor der Rüpelszene reinkamen und danach gleich rausgingen, sondern sie haben sich auch die ernsten Szenen angesehen und die hochphilosophischen Texte gehört und darüber nachdenken können. In der neueren Theaterliteratur, Film und Fernsehen fehlt diese Kombination. Ist es das, was Reich-Ranicki meint? Ich jedenfalls würde mir bei Fernseh-Unterhaltungen diese Verbindung von Komik mit ernsten Inhalten wünschen.


Gottschalk hat vorgeschlagen, dass er in seiner Sendung mal etwas in Reich-Ranickis Sinne einstreut und dann mal sieht, wie die Quote ist. Ich habe Gottschalks Sendungen immer sofort weggezappt; die nächste werde ich mir mal daraufhin anschauen.


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Donnerstag, 16.10.2008

Die Personalie Tietmeyer


Eine gelernte Naturwissenschaftlerin, die Bundeskanzlerin wird, ist natürlich für wirtschaftliche Fragen auf gute Berater angewiesen. Dass ihr dabei vielleicht nicht genügt, was ihr im Kabinett und ihrer sonstigen politischen Umgebung zur Verfügung steht, kann man noch nachvollziehen. Aber bei einigermaßener Intelligenz und nach einiger politischer Erfahrung sollte ihr klar sein, dass jemand, der so klar in der Finanzwirtschaft engagiert ist wie Herr Tietmeyer, wohl kaum Ratschläge geben wird, wie man die Machenschaften der Banken eindämmen kann.


Frau Merkel wird sich fragen lassen müssen: ist sie so naiv, oder ist sie eben, trotz ihrer vollmundigen Erklärungen über härteres Durchgreifen, doch nur die Erfüllungsgehilfin der privaten Finanzwirtschaft?


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Afghanistan-Abstimmung im Bundestag - die übliche Farce


Heute hat der Bundestag die Verlängerung und Erweiterung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr beschlossen. Das war ja zu erwarten, man wusste, dass alle noch so dringlichen Appelle und guten Argumente der Friedensbewegung dagegen umsonst waren.


Trotzdem habe ich in Phoenix die Debatte verfolgt. Auffallend: während der ganzen Debatte war der Plenarsaal ziemlich gähnend leer. Wir waren etwas schockiert: bei einer so wichtigen Debatte so wenig TeilnehmerInnen? Es waren doch schon bestimmte Stimmenteile vorausgesagt, die ein volles Plenum voraussetzen; werden die Abgeordneten gegen Ende der Debatte alle hereinströmen? Ich wollte das erleben. Aber gegen 16 Uhr wurde ich das Geseier leid, die sattsam bekannten Argumente, ein paar dummdreiste Verunglimpfungen der Gegner. Ich stellte den Fernseher auf stumm und ging ins andere Zimmer. Als ich wieder vor den Fernseher kam, lief bereits der nächste Tagesordnungspunkt - ich hatte die Abstimmung verpasst!


Jetzt finde ich im Internet das Abstimmungsergebnis: 453 Ja-, 79 Nein-Stimmen, 48 Enthaltungen. Bei der Abstimmung war das Plenum also fast vollzählig. Es war wie ich erwartet hatte.


Was sind diese Bundestags-Sitzungen doch für eine Farce. Ich weiß, ich weiß, die Arbeit wird in den Ausschüssen gemacht. Aber es ist so lächerlich, wenn in einem kaum besetzten Plenum stundenlang Reden gehalten werden und getan wird, als könne man noch irgendjemanden überzeugen, und zur Abstimmung kommen dann alle herein und stimmen ab wie es von vornherein abgemacht war. Die Reden sind völlig überflüssig.


Das Bundestags-Plenum - eine Schauveranstaltung nur für die Fernsehkameras. z.K.


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Samstag, 04.10.2008

Händi statt Handy - ein Vorschlag zur neuen deutschen Rechtschreibung


Dass ich nicht schon viel früher darauf gekommen bin!


Als das mobile Telefon erfunden wurde, meinten irgendwelche Leute, die sich nur noch auf Denglisch verständigen konnten, dafür müsse unbedingt ein englisch klingendes Wort her, und sie bildeten das Wort "Handy", das sie für englisch hielten.


Dabei ist das kein Englisch. Eine amerikanische Bekannte hat sich schief gelacht, als wir "Handy" sagten. Auf Englisch heißt das Gerät "cell phone", und im Ausland höre ich überall, wenn man Englisch spricht: "mobile phone".


Dabei ist das, gesprochen, doch ein richtiges deutsches Wort. Der Körperteil mit den Fingern, womit man das Gerät hät, heißt auf Deutsch "Hand". Davon wird das abgeleitet, dazu mit einm typisch deutschen Verkleinerungs-i versehen (schließlich werden die Dinger ja auch immer kleiner ;)): von Hand kommt Händi, korrekt geshrieben nach der neuen deutschen Rechtschreibungsregel "Stängel kommt von Stange".


Ich schreibe von nun an "Händi", und schlage vor, das Wort so in den Duden aufzunehmen. So ist es einfach logisches, vernünftiges Deutsch.


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Freitag, 03.10.2008

Horst Köhler zur deutschen Kultur


Heute habe ich um 12 Uhr das Fernsehen eingeschaltet, um mal in den Festakt zum 3. Oktober hineinzuschauen, allerdings nicht vollständig, nur im Hin- und Hergehen.


So kam ich zur Rede von Köhler erst, als er sich dem Thema "Kultur" zuwandte - und da blieb ich, denn ich war erstaunt: er sagte tatsächlich einiges, womit ich völlig einverstanden bin: Dass Kultur vor allem Toleranz ist, dass die Veränderung unserer Kultur durch die vielen Zuwanderer positiv zu sehen ist, dass Zweifel eine Stärke sind, und vor allem die Sätze:


"Was ist eigentlich gut daran, deutsch zu sein? Ich finde, es ist vor allem, dass wir gelernt haben aus der Geschichte, und wir lernen weiter. Lernfähigkeit ist Teil unserer Kultur, unseres Charakters, geworden. Wir sind auf rücksichtsvolle Weise neugierig, wenn wir uns ernsthaft in der Welt umschauen; wer draußen etwas anders macht als wir, der weckt unser Interesse, nicht unsere Ablehnung".


Das ist meine Rede seit ewigen Zeiten! Nur dass ich den Indikativ in diesen Sätzen eher durch den Imperativ ersetzen würde. Es ist ja leider nicht so, dass alle Deutschen bereits "auf rücksichtsvolle Weise neugierig" sind usw., aber es sollte so sein. Und deshalb ist es gut, dass der Bundespräsident so etwas sagt, und zwar möglichst oft.


Was er sonst noch sagte - also von einer "Führungsverantwortung Deutschlands in Europa" zu sprechen, das sollte er m. E. lieber bleiben lassen.


Aber im ganzen: ich finde, Köhler hat schon schlechter gesprochen als heute..


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Donnerstag, 02.10.2008

Personenkennziffer alias Steuer-ID


Bei unserem Island-Aufenthalt vor fünf Jahren erzählten uns einige Isländer, dass sie jetzt alle eine Identifikationsnummer bekommen sollten, und zwar von Geburt an. Sie waren fast stolz darauf, zumindest einverstanden. Wir waren hell entsetzt. Die lassen sich jetzt durchnummerieren und finden das auch noch gut! Das dürfte bei uns nicht passieren! Als wir dieses Jahr wiederkamen, stellten wir denn auch fest: das ist durchgeführt worden. Auf jedem Formular, das man ausfüllen musste, bei jeder Anmeldung auf dem Campingplatz oder beim Arzt, stand oben rechts ein Feld "Kennitala". Da wir so eine Zahl nicht hatten, konnten wir das Feld leer lassen. Auf den Campingplätzen war das witzig: es wurde weder nach Name noch nach Autonummer gefragt, und so waren wir immer völlig anonym. Wir schüttelten den Kopf über diese Kennzahl und freuten uns, dass wir keine hatten.


Und dann kommen wir nach Hause, sehen unsere Post durch - und was finden wir? Zwei Briefe vom Bundeszentralamt für Steuern (was ist das überhaupt? Nie gehört, Steuerbescheide bekommt man doch vom Finanzamt): Zuteilung einer persönlichen Identifikationsnummer! Darf doch nicht wahr sein!! Ich habe richtig nach Luft geschnappt. Und als ich auf der Rückseite noch las, dass die Nummer jedem ab Geburt zugeteilt wird - das ist ja wie in Island! Wo bin ich denn hier?? Einen Augenblick lang hielten wir das für einen Witz, den sich jemand geleistet hat. Auf jeden Fall beschlossen wir, uns erst mal gar nicht darum zu kümmern, schon gar nicht darum, dass die Angaben in unseren Briefen teilweise falsch waren.


Freunde aus unserem politischen Umfeld meinten nur müde lächelnd: "Wieso, das wird doch schon lange diskutiert, du weißt doch, dass wir immer mehr überwacht werden". Ehrlich, diese Diskussion ist an uns vorbeigegangen. Mag sein, dass das in den vier Monaten unserer Abwesenheit war, aber beim weiteren Nachforschen und Googeln sehe ich, dass das tatsächlich schon seit einigen Jahren läuft, zumindest 2007 schon bekannt wurde.


Nachdem ich am Dienstag in der Sendung Plusminus hörte, dass diese Nummer zunächst für Rentner Konsequenzen haben könnte, weil womöglich Steuern nachzuzahlen wären, fand ich es doch nötig, mal die Hotline dieses Bundesamtes anzurufen, um zu fragen, was eigentlich in den Angaben der Punkt 3 "Lebenspartnerschaft" bedeutet. Bei uns allen beiden ist da nämlich ein Strich. Wenn dieser Ausdruck das ist, was man bisher "Familienstand" nannte, dann ist das falsch, wir sind nämlich verheiratet, und das ist doch steuerlich von erheblicher Bedeutung. Die Antwort des Angestesllten des Bundesamtes für Steuern: "Nein nein, das bezieht sich nur auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften. Die Frage, ob Sie verheiratet sind, Kinder usw., das ist weiterhin Sache Ihres örtlichen Finanzamtes".


Wie bitte? Da verkauft man uns diese Kennziffer als notwendig zur Vereinfachung des Steuerwesens und nur zu diesem Zweck - und dann sind die Angaben, die für die Steuer wichtig wären, gar nicht interessant? Deutlicher kann man nicht sagen, dass diese Nummer ganz anderen Zwecken dient. Weshalb ist eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft so interessant, wenn das nichts mit den Steuern zu tun hat? Was soll da registriert werden?


Nachdem wir also beruhigt sind, dass für unsere Steuerfrage weiterhin unser Finanzamt zuständig ist - mit dem haben wir längst geklärt, dass wir noch unterhalb der Grenze liegen - haben wir den Schrieb erst mal ad acta gelegt. Wir werden uns auch nicht um die Fehler kümmern: dass bei "Ehename" ein Strich ist, obwohl Uhu einen Doppelnamen hat; dass bei mir bei "Geburtsstaat" ein Strich ist, obwohl meine kalte Heimat zur Zeit meiner Geburt Ausland war. Warum sollen wir den Leuten noch dabei helfen, uns auszuspionieren.


Was wir aber gemacht haben: Wir haben beim Bundesamt für Steuern Widerspruch gegen diese "Steuer-ID" eingelegt. Auf der Webseite der Humanistischen Union habe ich einen entsprechenden Musterbrief gefunden und abgeschrieben. Wikipedia meint zwar, zur Zeit hätte so ein Widerspruch keine rechtliche Bedeutung, aber falls die von der Humanistischen Union eingereichte Musterklage doch einigen Erfolg hätte, könnte ein frühzeitiger Widerspruch doch sinnvoll sein.


Jedenfalls: Es wird immer schlimmer mit dem Überwachungsstaat.


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Dienstag, 30.09.2008

Meine Island-Nachlese ist fertig!


Endlich!!


Es war doch eine mühsame Sache. Besonders das Heraufladen von Uhus pixelreichen Bildern - wenn es denn mal geklappt hat, dauert immer ewig. Meine simplen mit dem Händi gemachten Bilder gehen erheblich schneller, aber mit denen klappt es jetzt wenigstens immer. An den isländischen Internetplätzen scheiterte es ja meist an der Phase "in Artikel übernehmen". Mit Uhus Bildern ist es dagegen merkwürdig: einige lassen sich nach langem Warten heraufladen und dann mühelos übernehmen, bei anderen ist nach langer Heraufladezeit und der Meldung "fertig" nichts da. Dabei hat er immer die gleiche Einstellung bezüglich Pixel benutzt, und manchmal lässt sich von zwei im Abstand von 4 Minuten aufgenommenen Bildern das eine hochladen und das andere nicht. Das ist sehr schade, denn seine Bilder sind natürlich sehr viel schöner; meine sind manchmal grell und oft blaustichig.


Ich habe jetzt eine neue Kategorie "Island" eingerichtet, in der, wer sich interessiert, alle Artikel zusammen finden kann. Es wäre zu empfehlen, sich auch die älteren Artikel noch mal anzusehen, denn die dazu gehörigen Bilder habe ich jeweils dort nachträglich eingefügt. Die schönsten Bilder sind in "Landmannalaugar" und "Nordsommer", in anderen Artikeln noch einzelne.


Ich habe mir natürlich auch ein paar bloße "Gedanken" gemacht, und möchte vielleicht noch aus meinen früheren Reisen ein, zwei Artikel schreiben, aber dazu muss ich noch ein paar analoge Bilder digital aufbereiten lassen., vielleicht später.


So, ich hoffe, das macht Euch Spaß, und jetzt kann ich mich auch wieder mit anderen Themen beschäftigen!


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Montag, 29.09.2008

Und zum Schluss: Die Pullover !


Seit Jahren wünscht sich Uhu einen Island-Pullover. Schon oft hat er welche anprobiert - und lief jedesmal sofort rot an. Die Dinger kratzen und jucken, durch alle Hemden hindurch!!


Irgendwann erfuhr er, dass es irgendwo in Südisland eine Werkstatt geben soll, wo die Pullover aus besonders weicher Wolle gestrickt werden, und dazu noch nach Maß, wenn man die Zeit hat, darauf zu warten. Die Zeit hätten wir ja bei unseren langen Aufenthalten, aber wir fanden den Laden nie.


Aber dieses Jahr im Juli fuhren wir mal an der Südküste entlang Richtung Reykjavík, und 10 km vor Selfoss sahen wir ein einfaches Gebäude und ein Schild "Wool Center". "Das ist es!" sagte Uhu. Der Laden war schon geschlossen, also übernachteten wir extra deswegen auf dem Camping Selfoss und fuhren am nächsten Tag wieder hin. Es ist eine Genossenschaft von Landfrauen und Schafshaltern, die sich rühmt, in besonders natürlichem und schonendem Verfahren eine besonders weiche Wolle herzustellen. In Uhus Größe war leider nur ein Pullover da, Grundfarbe braun, die Ärmel viel zu lang, stand ihm auch nicht besonders gut. Viel besser war ein weißer mit grau-schwarzem Muster, und die Managerin sagte auch, diese weiße Wolle sei besonders weich, und er kratzte ihn auch wirklich kaum, aber er war doch zu eng. Also die Frage: "Können Sie bei mir Maß nehmen und so einen Pullover für mich stricken lassen?". Die Managerin zickte etwas, von Maß nehmen war für sie nicht die Rede, sie sagte nur "also die Größe von dem braunen, nur kürzere Ärmel und in weiß mit dem Muster von dem weißen", und dass sie nicht wisse, ob eine Strickerin jetzt Zeit hat, und wir sollten Anfang August mal nachfragen. Abgemacht.


Für mich wollte ich eigentlich keinen Pullover, denn ich hatte schon früher welche anprobiert und festgestellt, dass die doch eher zu Frauen vom Typ Walküre passen - ich sah aus wie ein Tönnchen. Aber hier probierte ich doch einen, noch dazu in grau, von dem ich meine, dass mir das gar nicht steht - und siehe da, stand mir ganz gut, und Uhu schenkte ihn mir.


Anfang August riefen wir wieder an; eine Strickerin war gefunden, die Mitte August den Pullover anfangen und ihn sicher bis Ende August fertigstellen könnte. Da nicht wirklich Maß genommen worden war, konnten wir nur hoffen, dass das Endprodukt Uhu auch passen würde. Er schwor mir jedenfalls, dass er den Pullover nicht nehmen würde, wenn er nicht passt!


Den Rest der Reise mussten wir nun danach ausrichten, dass wir Ende August wieder in Selfoss, d.h. an der Südwestküste sein müssten - dadurch versäumten wir das nicht nur sonnige, sondern auch warme (18°!) Wetter im Nordosten.


Am 30. August betraten wir dann wieder den Laden des Wool Centers. Der Pullover war da, kratzte nicht, gerade weit genug, Ärmel richtig, und ich konnte ihn Uhu endlich schenken. Uhu drückte einem verdutzten isländischen Kunden seine Kamera in die Hand, wir bauten uns vor dem Haus auf, er fotografierte uns mit der Managerin, die das Bild inzwischen gemailt bekommen und es hoffentlich in ihr Schaufenster gelegt hat, dann gab ich ihm noch mein Händi, und damit schoss er das Bild, das der Abschluss meiner Islandberichte sein soll:

Auf Wiedersehen, Island!


 

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Zu faul zum aussprechen?


Wenn ich im Fernsehen manche Filme über Island sehe, tun mir oft die Zähne weh, wie die Sprecher die Namen der Orte, Flüsse und Berge aussprechen! Sie sprechen was sie lesen, einfach deutsch aus, furchtbar! Sie haben es offenbar nicht nötig, sich mit der Aussprache der isländischen Namen vertraut zu machen. Was denken sie sich eigentlich dabei? Wofür werden solche Sprecher eigentlich bezahlt?


Genau so verständnislos stehe ich da, wenn ich in Island mit anderen deutschen Touristen rede. Manche sind zum xten Mal in Island, einer hatte sogar eine isländische Freundin. In jedem Island-Führer findet man ein Kapitel über die Aussprache - aber keiner macht auch nur den Versuch, Namen, die er immer wieder von Isländern hört, wenigstens halbwegs richtig auszusprechen.


Wir wissen doch alle, dass jede Sprache, auch wenn sie mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird, für jeden Buchstaben ihre eigene Aussprache hat. Die allermeisten haben doch mindestens Englisch in der Schule gehabt, sie haben das doch auch aussprechen gelernt, und das war wirklich schwierig (mein Englisch-Lehrer sagte immer "der Engländer schreibt Kamel und spricht Rhinozeros"). - Aber nein, hier haben sie es nicht nötig, die Aussprache wenigstens ansatzweise zu lernen; nicht einmal die beiden Sonderbuchstaben nehmen sie zur Kenntnis, die dem englischen th entsprechen: das d mit dem Strich durch (ð oder Ð) für das stimmhafte th wie in Englisch "the" und der, der ähnlich wie ein p aussieht (þ oder Þ) und dem englischen th in "thing" entspricht.


Ich kann das nicht verstehen. Es ist schlicht Faulheit. Denn so ein klein bisschen kann man sich doch mit einer Sprache beschäftigen, wenn man ins Ausland reist.


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Island - Nostalgie und Gegenwart


Ein sehr netter Mann, den wir von einer früheren Reise her kennen und dieses Mal auf dem Schiff wiedergetroffen haben, rief uns irgendwann an und klagte seinen Frust:

Er war 1981 zum ersten Mal in Island gewesen und hatte die schönsten Erinnerungen. Überall konnte man frei campen, irgendwo in der freien Natur, an einem Bach in der Einsamkeit. Und jetzt? Man kann nicht mehr von der Straße abfahren, überall Zäune. Und überall wird man beobachtet, man ist nirgends allein, irgendwer spioniert einem immer nach. Und die proppenvollen Campingplätze, die lauten Jugendlichen, die vielen dicken Mütter mit vielen dicken Kindern! Er will nicht mehr herkommen.

Dazu muss ich sagen:

Das mit dem "freien Campen" war schon immer ein Irrtum. Genauso wie das Wort von der "ältesten Demokratie der Welt": Es gab immer Herren und Knechte, und die Demokratie war für die Herren. Und die Natur war, seit Island besiedelt wurde, nie "frei". Jeder Quadratzentimeter Boden, außer heutzutage die größeren Straßen, ist Privatbesitz. Die norwegischen Adligen, die das Land besiedelten, haben es sofort unter sich aufgeteilt. Es wurde vererbt, weiter aufgeteilt, teilweise verkauft. Auch in der einsamsten Natur steht man immer auf Privatbesitz, da darf es einen doch nicht wundern, wenn die Besitzer mal sehen wollen, wer da so steht. Bei den diskreten Isländern läuft das natürlich anders ab als bei uns. Bei uns würde ein Bauer, der ein Wohnmobil auf seinem Land stehen sieht, hinfahren, den Fahrer anreden, fragen, was er hier macht, und möglicherweise gnädig erlauben, hier zu übernachten. Die Isländer setzen sich ins Auto, fahren in die Nähe, bleiben in einem gewissen Abstand stehen, und beobachten. Ansprechen werden sie einen nicht. Richtig wäre es, von sich aus hinzugehen und zu fragen, ob man hier stehen darf, so steht das übrigens auch in jedem einschlägigen Reiseführer. Man wird auch immer die Erlaubnis bekommen, dort für eine Nacht zu stehen.

Die Zäune sind eine segensreiche Einrichtung. Sie verhindern, dass die vielen Schafe und die Pferde auf die Straße laufen ? bei dem dichter gewordenen Straßenverkehr ist das wirklich notwendig! Und, was noch wichtiger ist: sie verhindern auch, dass die Schafe überall herumlaufen und jeden Keimling eines Baumanflugs sofort wegfressen, wie sie es jahrhundertelang getan haben. Bei der Landnahme war Island nämlich bewaldet. Erst die Schafzucht (in geringerem Umfang der Bedarf an Feuerholz) hat das Land so kahl werden lassen. Jetzt wird überall aufgeforstet, nicht nur mit den einheimischen Krüppelbirken, auch mit verschiedenen Nadelhölzern, die auch gut gedeihen, wenn sie auch nicht so hoch wachsen wie die Bäume in unseren Breiten. In den 11 Jahren seit unserer ersten Reise haben wir eine erstaunliche Entwicklung beobachtet. Wir Touristen erfreuen uns an den faszinierenden kahlen, bunten Bergen ? die Isländer sehen das anders und nehmen jeden neu angelegten kleinen Waldspazierweg dankbar an. Zum Beispiel hier, zwischen mannshohen Tännchen:


Die Campingplätze: Nun ja, wenn er die Auffahrt auf die Fähre mit der Unzahl an Wohnmobilen und Wohnwagen gesehen hat, konnte er sich denken, dass er die irgendwo wieder treffen wird. Hinzu kommt, dass auch die Isländer in den Ferien sich gern auf Campingplätzen treffen. Und die isländische Jugend ist genauso rüpelhaft und laut mit ihren Stereo-Anlagen wie die unsere. Auf guten Campings werden diese Typen in eine etwas entferntere Ecke verbannt, wo sie die Familien nicht so stören. Die vielen Kinder ? ja, die gibt es in Island wirklich, an Kindern darf man sich hier nicht stören! Und die zunehmende Fettleibigkeit, wahrscheinlich bedingt durch das auch hier sehr beliebte Fastfood, ist in Island genau so ein Problem wie bei uns.

Ein englisches Ehepaar, mit dem wir auf einem Campingplatz ins Gespräch kamen, sagte fast wörtlich das gleiche wie dieser nette Herr: Sie waren 1985 zum ersten Mal in Island gewesen und hatten in der freien Natur gecampt, neben einem Bach, das war so schön! Aber sie sagten auch: wir haben Verständnis, dass das heute, bei diesem angewachsenen Tourismus, nicht mehr geht. "Es ist halt schade", sagen sie. Aber sie wollen trotzdem wiederkommen.


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Nordlicht


Borgarfjörður Eystri, am 7. September 2008
Kein Foto, kein Film kann das wiedergeben. Denn es geht nicht um das Bild von einem farbigen, sich bewegenden Lichtstreifen am dunklen Himmel. Es ist das Erlebnis:
Du liegst auf dem Boden oder weit zurückgelehnt in einem Gartenstuhl, und dieses Licht kommt auf dich herunter.

Am 28. August 2000 gegen Mitternacht erlebte ich das zum ersten Mal. Reinweiße Lichterscheinungen, wie Federn, Vorhänge, in Strahlen, Halbkreisen, Spiralen, Bündeln, teils vom Horizont her, teils vom Zenit, wie eine Glocke schien das sich auf mich herunter zu senken.
Am 2. September 2003, als wir bei erstaunlich warmem Wetter gegen 22 Uhr noch draußen saßen und die ersten Sterne erschienen, wurde plötzlich eine Wolke so hell ? es wurde ein Nordlicht, zwei oder drei helle Bänder, die in Spiralen in einem Bogen über den Himmel gingen.

Und gestern? Wieder nahmen wir als letzte Etappe vor der Heimfahrt Borgarfjörður Eystri. Durch ausgedehntes Schwemmland, dann über einen steilen Pass zu dem hübschen Dörfchen mit der unglaublich bunten Bergkulisse und der "Elfenburg" davor. Wir hofften so sehr, vor der Heimfahrt noch ein Nordlicht zu sehen. Warum wir meinten, das könnten wir nur in Borgarfjörður Eystri, weiß ich nicht. Mag sein, dass hier der Himmel öfters klar ist als anderswo in Island. Am Nachmittag war er tatsächlich klar und blau von einem Ende bis zum anderen, wie wir es in den vergangenen drei Monaten nie erlebt hatten, und wir saßen in der Sonne. Abends wurde es kalt. Wir saßen drin und warteten auf die Dunkelheit; die Stühle ließen wir draußen. Immer wieder sah ich aus der Tür, ob das Licht hinter den Bergen, wo die Sonne untergegangen war, allmählich verblasste.
Und dann stieg hinter einem Berg ein ganz schwacher hellgrüner Strahl in den Himmel, wie der Laserstrahl von einer Disco ? aber hinter dem Berg ist eine Bucht, da sind zwei Höfe, aber bestimmt keine Disco! Dann war der Strahl wieder weg. Am Himmel war eine Wolke, die einmal sehr hell wurde, aber sonst nichts, ich schloss die Tür wieder. Aber beim nächsten Mal: Hinter einem Haus, über der See, ein leuchtender, zartgrüner Lichtfleck ? das ist es! Schnell warm anziehen, wir sprangen hinaus. Und nun begann das Licht: einzelne Flecken wie helle Wölkchen, allmählich mehrere breite Streifen, die sich im Bogen von den Bergen im Westen zur See im Nordosten hinzogen, es sah aus, wie magnetische Feldlinien. Es war dieses Mal sehr ruhig, veränderte sich wenig, und es waren zusammenhängende Lichtstreifen wie ein Wolkenstreifen. Nur einmal franste es im Westen etwas aus und wurde zu diesem "herunterhängenden Vorhang". Dann aber begann der Streifen im Osten sich zu drehen, wurde zur Spirale und zu runden, gelb-grünen Kringeln. Es war bitter kalt, Uhu ging hinein, ich konnte mich noch nicht losreißen. Es verblasste, aber als ich auch hineingehen wollte, begann es wieder. Gegen Mitternacht war ich steifgefroren drinnen.

Wir wissen (ich weiß nicht woher), dass das Nordlicht um diese Jahreszeit nur weiß oder höchstens zartgrün zu sehen ist; in diesen leuchtenden Farben, vor allem kräftig rot, erscheint es erst im tiefen Winter. Wir wissen auch, dass das Nordlicht mit der Sonnenaktivität, mit den Sonnenflecken zusammenhängt. Heute, wiederum bei strahlender Sonne, haben wir die Kappen aus Sonnenfilterfolie, die wir seinerzeit zur Sonnenfinsternis gebastelt hatten, auf unser Fernglas gesetzt, um zu sehen, ob die Sonne Flecken hat. Sie hatte keine! Also: entweder hatte sie gestern welche, oder dieses ruhige Nordlicht erscheint, wenn der Sonnenwind sehr gering ist.


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Sonntag, 28.09.2008

Wenn das Händi nicht wär...!


Am Anfang unserer Reise bin ich ziemlich über die Machenschaften des Global Players Vodafone hergezogen. Gegen die sage ich jetzt nichts mehr.

Das war bei unserem ersten Island-Aufenthalt im Sommer 1997:
Wir kamen abends aus dem Hochland und stellten uns zum Übernachten vor einer Brücke über den Fluss Sandá auf; noch in der Einsamkeit; nahebei zweigte eine schmale Piste zu einem See ab. Am nächsten Morgen, vor der Weiterfahrt, stiegen wir noch auf eine kleine Anhöhe, um den Blick auf eine wunderschöne Bergkette zu genießen. Da sahen wir von weitem auf der kleinen Piste zwei Menschen heftig winkend auf uns zu rennen, eine Frau und ein Junge. Sie hatten auf der Piste zu dem schönen See fahren wollen und sich in einem Bach festgefahren; ihr gehbehinderter Schwager saß am Steuer und wartete nun. Die Frau streckte uns ihr Händi entgegen, tippte darauf herum und sagte bloß immer verzweifelt: "it's dead, it's dead!". Wir, damals noch Händi-Muffel, lächelten nur müde: natürlich steht hier in der Einsamkeit nirgends ein Umsetzer für Händi-Empfang! Wir machten unseren Wagen fertig und fuhren mit ihnen ein paar Kilometer auf der Piste bis zu ihrem Fahrzeug. Ein kleiner, ganz flacher Bach, aber der Boden nur lose Kieselsteine; ein einfacher PKW mit nur zwei Antriebsrädern muss sich dort unweigerlich festfahren. Uns war es ein leichtes, ihn da herauszuziehen.
Wir haben uns das hinterher auf der Karte angesehen: Die Frau und ihr kleiner Sohn müssen mindestens eine Stunde gelaufen sein, bis sie uns fanden, und da hatten sie noch Glück, denn auch auf dieser größeren Straße kam in der Zeit kein Fahrzeug vorbei.

Und dieses Jahr hat es uns erwischt!
Es war eine schöne Rückfahrt von der Hochlandroute Sprengisandur, das Wetter sehr isländisch, Sonne und Regen in ständiger Abwechslung, mal die Berge nebelverhangen, mal das nasse Gestein glänzend in den schrägen Sonnenstrahlen. Immer wieder Fotostopps.


Ganzen zwei Autos begegneten wir, die auch ab und zu zum Fotografieren anhielten, aber dann waren sie auch fort. Am Spätnachmittag eine kurze Kaffeepause, dann weiterfahren ? denkste! Die Vorglühlampe leuchtet nicht, der Anlasser sagt keinen Ton! Da bleibt einem einen Moment das Herz stehen. Wir waren 58 km von der nächsten menschlichen Behausung entfernt, Hraunaeyjar, eine sich Hotel nennende Herberge, von der aus es noch doppelt so weit bis zur "Zivilisation" ist. Aber unser Händi hat Netz! Allerdings ist das Guthaben auf der Prepaid-Karte nicht mehr sehr hoch, so dass wir uns nicht trauen, den deutschen ADAC anzurufen, um die Nummer seines isländischen Partners zu erfahren (sie stand nicht im Schutzbrief; später erfuhren wir auch, dass es diese Art Pannenhilfe in Island gar nicht gibt). Aber wir konnten die Mercedes-Werkstatt in Reykjavík anrufen, den großartigen, sehr gut Deutsch sprechenden Mann, der unser Fahrzeug schon gut kennt, weil wir dort schon mehrmals zur Wartung und Reparatur waren. Er half uns prompt durch sehr sorgfältige und kompetente Ferndiagnose, die zu dem Rat führte: die Starterbatterie mit der WoMo-Batterie brücken, dann nur mit Standlicht (in Island ist Abblendscheinwerfer ganztags Vorschrift) weiterfahren. Das klappte ? uff! -, und wir schafften bis Sonnenuntergang (die Zeit der Mitternachtssonne war ja lange vorbei) die 210 km, davon 150 auf Asphalt, zum nächsten Städtchen Selfoss, und am nächsten Tag, nach erneutem Brücken, nach Reykjavík, wo der Regler der Lichtmaschine und eine gebrochene Polklemme ausgetauscht wurde.

Aber ich sage nichts mehr gegen Vodafone. Was hätten wir gemacht, wenn die nicht mittlerweile das ganze isländische Hochland mit ihren Umsetzern vollgestellt hätten? 58 Km zu Fuß schafft man nicht an einem Tag. Wir hätten an Ort und Stelle übernachtet und viel Glück gehabt, wenn am nächsten Tag Fahrzeuge vorbeigekommen wären, denn es war das Ende der Hochland-Saison - nicht auszudenken....

Zähneknirsch: ich kann nicht mehr gegen Vodafone teufeln.:-( , ;-)


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Und morgen soll die Sonne wieder scheinen?


Blönduós, 29. Juli.
Gestern gegen elf Uhr nachts auf dem Camping: ein ganz unwirkliches Licht in der untergehenden Sonne: der Rasen, die Grasterrasse jenseits des Flusses leuchtend grün, darüber ein Berghang orange leuchtend, darüber Felsen rot leuchtend, darüber der blaue Himmel und allmählich rosa werdende Abendwolken ? man wollte nicht schlafen gehen. Den Tag über hatte das Thermometer übrigens 20 Grad gezeigt ? Sommer!
Und heute: Vormittags konnten wir noch die Graugänse beobachten, die auf der felsigen Grasterrasse jenseits des Flusses weideten. Jetzt nicht mehr. Wer jetzt neu auf den Platz kommt, ahnt nichts von den Bergen, die uns umgeben. Schon die Hecken des Campingplatzes sind nur verschwommen sichtbar, dahinter ringsum graue Nebelwand, auch über den Stromschnellen der Blanda liegt Nebel. Das Thermometer zeigt 13 Grad.
Aber die Wettervorhersage für morgen lautet: strahlende Sonne über dem ganzen Land, Temperaturen von 20 Grad und mehr. Wird das kommen? In Island ist das möglich.

PS am 30. Juli: Strahlende Sonne ja, aber 20 Grad - nein!


Die Stromschnellen der Blanda ohne Nebel:


 

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Landmannalaugar


Auch eine der großen Touristen-Attraktionen, und nicht nur das; auch für die fröhlichere isländische Jugend scheint dieser heiße Pool attraktiv zu sein. Ich zitiere aus meinem Reisetagebuch vom Sommer 2000, an einem Samstag:
Gegen 24°° baden, weil ich meinte, der Pool wäre etwas weniger proppenvoll. Denkste: nicht nur proppenvoll, sondern Highlife mit viel Bierdosen, von denen einige im Wasser ausgespült wurden, es roch nach Fusel. Geflohen.
Dieses Mal war es nicht so schlimm, kann auch sein, weil wir mitten in der Woche da waren. Und man muss sagen: Hier ist Island fast am schönsten!
Der heiße Bach, der sich zu dem berühmten Badepool weitet, in seiner Umgebung blühende Sumpfwiesen, das Lava-Feld aus Obsidian, der in der Sonne blitzt, dass man direkt einen Siegelring herausschneiden möchte, die bunt gestreiften Rhyolit-Berge, grüngraue Berge, blaugraue Berge, der in der Geröllebene mäandernde Fluss (der allerdings dieses Jahr fast trocken war). Das kann man schlecht beschreiben, die Fotos sagen mehr aus.


Vor dem Lavafeld entspringt das heiße Bächlein, läuft zwischen den blühenden Sumpfwiesen und


weitet sich zum Badepool.


Alles Obsidian! Ca. 20 Minuten lang gehst du zwischen teils mannshohen Türmen davon durch, bis der berühmte bunte Berg ins Blickfeld kommt, die Brennisteinsalda,

an dessen Fuß offene Schlammlöcher dampfen. Ich habe es dieses Mal nicht bis dahin geschafft; ich war zu feige für den letzten sehr ausgesetzten schmalen Pfad.
Aber ich habe mir anderes erwandert:

Wollgras, Wollgras! Und auch dahinter wieder bunte Berge.


Wahnsinn - oder?
Und dann, nach einem weiten kahlen Tal,

hinter dem letzten Schuttberg
 wieder heiße Quellen!




Und wieder zurück zu dem Campingplatz, dort unten.



Hier möchte man Hütten bauen....





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Montag, 08.09.2008

Abschied von Island


Uebermorgen nimmt uns das gute Schiff Norröna auf, und unser Island-Sommer ist zu Ende. Drei Tage auf See, faulenzen, gut essen (hoffentlich können – je nach Wetterlage ;-)), am Samstag landen wir in Dänemark – auf der Heimfahrt noch ein Termin und ein Verwandtenbesuch, und am 21.9. werden wir hoffentlich zu Hause sein, wo das Loch in der Badezimmerwand auf uns wartet, über das ich vor unserer Reise, vor 4 Monaten geschrieben habe...

 

Mit Bloggen während der Reise war es ja nicht so gut bestellt. Ich habe deshalb fest vor, nach der Rückkehr eine Island-Nachlese zu schreiben, hoffentlich auch mit Fotos, denn ich habe schon das Bedürfnis, die Blogosphäre, ob interessiert oder nicht ;), an meinen Eindrücken teilhaben zu lassen. Allerdings wird das wohl noch bis Ende September auf sich warten lassen.

 

Bis dahin!

Mittwoch, 13.08.2008

Nordsommer


Vorbemerkung: Wenn man Glueck hat, gibt es am Campingplatz oder in seiner Umgebung einen Internetplatz, wenn man noch mehr Glueck hat, hat dieser sogar einen USB-Port, so dass man seine lichtvollen Ausfuehrungen in Ruhe offline schreiben und dann schnell uebertragen kann; wenn man ganz viel Glueck hat, kann man sogar seine Fotos uebertragen, was mir aber erst zweimal passiert ist. Dieser Platz hier gehört zur ersten Kategorie. iich habe mir 1 Std. gekauft und mir bleiben noch 45 Minuten, um zu schreiben, was mir gerade einfaellt. Und mir faellt ein:

Nordsommer
Als 2003 ganz Deutschland unter der glühenden Hitze litt, waren wir in Island und haben vom Sommer nichts gemerkt: Trübes Wetter, Regen, mit entsprechender Kälte, selten mal Sonne.
Deshalb richten wir diesmal unsere Fahrten nach dem Wetterbericht aus, und wir hatten bisher fast immer strahlende Sonne! Und sie ist warm, wenn man windgeschuetzt ist. Denn der Wind ist kalt. Und wenn wir unser Thermometer im Schatten platzieren, zeigt es höchstens 15 Grad, in letzter Zeit eher 11 bis 12 Grad Celsius. Aber wenn der Wind nicht gerade aus Richtung der Sonne kommt, halte ich, mit dem Wagen im Ruecken, Sonnenbaeder ab und bin sogar etwas braun geworden.
Und das Licht! Diese Sonne beleuchtet die Landschaft auf ganz besondere Weise.
Du faehrst: hinter jeder Strassenbiegung ist wieder etwas wunderbares zu sehen. Berge, sanfte gruene Haenge,


darueber schroffe Waende und bizarre Felskronen,
die Farben: Gruen, braun, bunte Gesteinsarten.






Dann wieder Lavafelder, kruschelig, kahl oder mit hellem Moos bewachsen,


und dann kilometerweit schwarze Asche - bin ich hier im Ruhrpott? fragt Uhu - du denkst du faehrst zwischen Kohlenhalden.


Und Wasserfälle, Wasserfälle, von ganz zart bis sehr mächtig:






Und die Urlandschaften, wo ein Fluss mäandriert, ständig wechselnd:


Die Wege: Auf der Karte eine Piste, die wir noch nie gefahren sind - nichts besonderes, denken wir. Der uebliche steinige, schlaglochuebersaete Weg ueber die Hochflaeche, beiderseits Zaeune, ab und zu ein Schafsgatter: Beifahrer aussteigen, Gatter auf, durchfahren, Gatter zu, Beifahrer einsteigen. Dann keine Schafszaeune mehr, der Weg geht jetzt dicht an einer Schlucht entlang, tief unten ein Fluss, die Piste auf und ab in vielen Windungen, eng und ausgesetzt, zahllose Baeche fliessen quer drueber, manchmal auch ein Stueck einfach den Weg entlang. Aber der trockene Sommer macht, dass alles ziemlich leicht zu ueberwinden ist. Dann fliesst der Fluss anders herum, die Wasserscheide ist also hinter uns, und natuerlich ist es ein anderer Fluss, aber der stuerzt in die Tiefe! Eine schwindelnd steile Abfahrt, es braucht die Untersetzung im ersten Gang. Unten wird es wieder laendlich: das Gehoeft ist auf der Karte als "Wuestung" eingezeichnet, aber auf der Wiese stehen die in Plastik eingehuellten Heuballen, und natuerlich ist da auch ein "Sumarhús". Die Familie lebt wahrscheinlich in Reykjavík, aber das Heu wird noch geerntet und verkauft, und man hat sich ein huebsches kleines modernes Haus gebaut, wo man die Sommerferien verbringt. Ab hier wird die Piste zur Landstrasse: weniger Schlaglöcher, dafuer staendig "Wellblech", diese gleichmaessigen Riefen, die den Wagen bis ins Mark durchschuetteln können. Ein Stueck weiter stellen wir uns zur Nacht neben die Strasse, zwischen den felsgekrönten Haengen und dem jetzt breiten, mit Kiesbaenken durchsetzten Fluss, und ich geniesse die tiefstehende Sonne im Windschatten des Wagens.
(Und jetzt muss ich aufhören, sonst wird das alles hier gelöscht!)

P.S: Und heute (28. September, zu Hause, habe ich dies nachgearbeitet.


Mittwoch, 06.08.2008

Islaendische Verhaltensweisen, die Zweite


Wenn zünftige Reitergruppen in Island eine längere Tour machen, reisen sie mit drei bis vier Pferden pro Reiter. Denn die isländischen Pferde gehen nur ca. 2 Stunden unter dem Sattel, dann müssen sie gewechselt werden. Immer wieder sieht man in der Landschaft große Pferche, in die die Pferde zur Rast hinein getrieben werden. Nach der Rast müssen die Pferde, die jetzt an der Reihe sind, gesattelt werden. Und man soll sich nicht einbilden, dass die braven kleinen Islandpferde sich gerne satteln lassen – oh nein! Es ist faszinierend zu beobachten, welche Geduld so ein Pferdeführer (oder wie nennt man die?) aufbringen muss, bis er einem der Pferde das Halfter angelegt hat. Ganz, ganz langsam und behutsam,ohne abrupte Bewegungen, auch nicht ganz direkt, nähert er sich dem Pferd, das immer wieder zurückweicht, sich unter die anderen Pferde mischt, er spricht leise mit ihm, lockt es ein bisschen, bis er ihm das Halfter überwerfen kann.

 

Gestern mussten wir sehr lachen: genau dieses Verhalten legten nämlich die Leute aus der isländischen Familie an den Tag, die mich wegen des verunglückten kleinen Mädchens (siehe Eintrag "Noch mal gutgegangen") zweimal aqnsprachen. Beim ersten Mal stand ich in der Tür unseres Wohnmobils, der Mann und die Frau gingen so ganz beiläufig in unsere Richtung, schauten gar nicht hin, zögerten, dann kamen sie vorsichtig näher, bis ich begriff, dass sie mit mir sprechen wollen. Dann begann das Gespräch. Das gleiche war später am Abend, als der Vater des Mädchens und der Freund mir sagen wollten, was die Untersuchung ergeben hatte: ich war im Begriff, wegzugehen, als sie sich mir von der Seite vorsichtig näherten, zögerten, so dass ich auch zögerte: meinen sie mich, oder was? Schließlich kam das Gespräch zustande.

Herrgott, unsereins geht auf den dem er was saqgen will, mit festen Schritten zu, schaut ihn geradewegs an, entschuldigt sich notfalls für die Störung und sagt, dass er was sagen will!

Wir überlegen: vielleicht war das unser Fehler, wenn Isländer, auf die wir zugehen, um nach dem Weg zu fragen, sich wegdrehen und ins Haus gehen. Man muss wohl sehr langsam, beiläufig und auf einem kleinen Umweg auf sie zugehen, vielleicht bleiben sie dann stehen. Gestern habe ich das schon geübt, als ich die Eltern nach dem aktuellen Befinden des kleinen Mädchens fragte, und es hat geklappt. Sie waren erstaunlich spontan nett.

 

Abe das ist anstrengend für eine plumpe und direkte Deutsche wie mich! :-)

Montag, 04.08.2008

Nochmal gutgegangen, oder: verfluchte Zurueckhaltung!


Am Handelsfeiertag, dem Wochenende zum ersten Montag im August, ist ganz Island auf Reisen, alle Großfamilien treffen sich auf allen Campingplätzen, mit ihren Klappcaravänchen und jeder Menge kleinen bis kleinsten Kindern. Als ausländischer Camping-Tourist sollte man sich an diesem Wochenende in Luft auflösen, aber wir haben doch noch einen guten Platz auf einer Fläche des riesigen Campingplatzes Hamrar bei Akureyri gefunden.

Und da sitze ich nun am Samstag abend bei strahlender Sonne neben unserem Wohnmobil und erlaube mir, ein ganz kleines Kind zu beobachten, das ca. 10 Meter vor mir im Gras spielt. Erlaube mir, denn: wir haben den Eindruck, dass die Isländer uns gegenüber mit ihren Kindern noch zurückhaltender sind als sonst schon. Teilweise hatten wir den Eindruck, wenn wir sie zu freundlich anlachen, werden sie von den Eltern ins Zelt hinein gerufen. Aber dieses Kind spielt allein auf einem freien Platz zwischen ein paar von diesen Klappcaravans, und daneben baut eine junge Frau in Rosa zusammen mit einem jungen Mann gerade ein Zelt auf.

Das Kind fasziniert mich: offenbar in dem Alter, in dem es die ersten Stehversuche macht. Es krabbelt im Gras, schiebt einen Fußball (halb so groß wie es selber) vor sich, stemmt die Ärmchen drauf, richtet sich auf, steht, einmal lässt es den Fussball los – und plumps, sitzt es auf dem Po! Daskommt immer wieder mal, aber einmal steht es freihändig mindestens eine Sekunde lang, bevor es "plumps" macht. So ein energisches, selbständiges Kind! Ich denke daran, was uns schon vor Jahren an den isländischen Kindern auffiel: die kleinen, die gerade erst laufen gelernt haben, bei uns tapsen sie so tapsig herum, hier stapfen sie sofort energisch und sicher. Ist es, weil man sie das Stehen und Gehen ohne Hilfe lernen lässt? Das Kind übt und brabbelt dabei unentwegt, immer mal "Mama", aber das ist nicht fordernd oder klagend, sondern einfach so. Die junge Frau in Rosa schaut beim Zelt-Aufbauen in Richtung des Kindes, ich halte sie für die Mutter; das Kind wiederholt brabbelnd vieles was sie sagt. Irgendwann ist das Zelt aufgebaut, die Erwachsenen sind für mich verdeckt, nur das Kind krabbelt fröhlich weiter in der Mitte.

Da fährt von hinten ein PKW langsam rückwärts, in Richtung des Kindes. Das Kind nimmt das natürlich nicht wahr. Ich denke: er sieht das Kind doch, außerdem sind doch die Eltern da. Er fährt unaufhaltsam rückwärts, jetzt genau auf das Kind zu. Ich denke: er wird doch nicht auf das Kind fahren! Dann erst begreife ich:er tut es! Ich schreie "Stopp! Das Kind, das Kind!" und renne. Als ich beim Wagen bin, liegt das Kind mit dem linken Bein unter dem rechten Hinterrad bis zum Oberschenkel. Das Bein ist fest druntergeklemmt, man kann es nicht herausziehen. Das Kind schaut mich an und weint. Ich rufe verzweifelt "das Kind! das Kind", immer auf Deutsch – einem fällt keine Fremdsprache ein in solchen Augenblicken. Es dauert eine Ewigkeit, bis der Fahrer aussteigt, um den Wagen geht und nachsehen kommt. Er begreift, dass man das Kind nicht herausziehen kann, steigt wieder ein und fährt ein Stück vor. Da erst kommt die Familie, das Kind wird aufgehoben, und ein Mann haut dem Fahrer eine rein. Zu meiner Erleichterung sehe ich, wie ein Mann schon am Handy nach dem Notarzt ruft. Mich beachtet niemand, kein Wunder, sie sind aufgeregt; ich gehe zu unserem Wagen und erzähle Uhu davon.

Aber dann denke ich: wissen sie überhaaupt, was passiert ist? Was erzählt der Fahrer ihnen? Die Mutter hat das Kind auf dem Arm und tröstet es wie man ein Kind tröstet, das sich wehgetan hat. Ich denke: das darf sie nicht so auf dem Arm tragen, man weiß doch nicht, was mit dem Bein passiert ist, das muss doch ruhig hingelegt werden. Ich gehe auf die Familie zu und bekomme Blickkontakt zu der jungen Frau in Rosa (sie ist nicht die Mutter). Ich sage ihr, dass das Kind mit dem Bein unter dem Rad gelegen hat. "The leg was under die wheel?" fragt sie – sie hat das wohl nicht gewusst. Ich sage auch, dass das Kind hingelegt werden sollte, aber sie beachtet das nicht. Sie meint, die Knochen eines Kindes seien ja wohl sehr biegsam, und der Grasboden ist ja auch nicht so fest. Ich sage ihr auch, dass ich mir große Vorwürfe mache, weil ich so spät reagiert habe. Ich sage, dass die Menschen hier ja so reserviert sind, und dass ich gedacht hatte, die Familie hätte das Kind im Blick. "Wir dachten, sie (es ist also ein Mädchen) wäre im Zelt mit ihrem Bruder" sagte sie. Die Ambulanz und der Notarzt kommen, auch die Polizei, die die Familie befragt. Ich sehe vom Wagen aus, dass die rosa Frau auf mich deutet, aber ich werde nicht befragt.

Nachdem die Ambulanz weggefahren ist, kommt die Frau in Rosa und ein junger Mann auf mich zu, um mir zu sagen, dass ich mir keine Vorwürfe zu machen brauche, weil ich spät reagiert hätte, dass jeder weiß, dass ich keine Schuld habe. Und es täte ihnen leid, dass ich als Außenstehende so ein schreckliches Erlebnis hätte. Ich sage, darauf käme es nun wirklich nicht an, aber dass ich doch unbedingt wissen möchte, was sich bei der Untersuchung des Kindes ergeben hat.

Am Abend sprechen der junge Mann und der Vater des Kindes mich an: Die Röntgenaufnahme hat keinen Bruch ergeben, nur eine Verletzung des Unterschenkelmuskels. Vielleicht könne das Kind schon morgen wieder zum Campingplatz. Ich sage noch, was mir inzwischen eingefallen war: Ich hatte immerzu gerufen: "das Kind, das Kind". Aber "kind" ist das isländische Wort für Schaf – hat der Fahrer gedacht, er hätte nur ein Schaf angefahren, und deshalb so spät reagiert? Sie meinen, er hätte wohl nur gedacht, ich würde mit ihm schimpfen.

Ein Dankeschön höre ich übrigens nicht. Uhu meint: die Familie denkt, der Fahrer hat das Kind mit dem Heck angestupst, dass es hingefallen ist, sonst nichts. Die Zeit bis Montag früh vergeht bei mir mit Grübeln:Wie hätte ich in Deutschland gehandelt? Hätte ich dort nicht sofort, als der Wagen zurücksetzte, geschrieen: "Vorsicht, da ist ein Kind!", oder wäre hingegangen und hätte vielleicht das Kind aus der Gefahrenlinie gezogen? Hier diese verfluchte Zurückhaltung – bloß sich nicht in andere Familien einmischen! Dann wieder: Ist ja schon gut, dass ich überhaupt reagiert habe – was wäre sonst passiert? Das Kind lag ausgestreckt unter dem rechten Hinterrad, nur das rechte Bein angewinkelt, der Körper gerade in Richtung des Rades. Eine winzige Umdrehung mehr, und es wäre tot gewesen – so "biegsam" ist kein kindlicher Brustkorb. Der Fahrer müsste sich das eigentlich auch sagen. Aber vom Fahrer habe ich nichts gesehen, erst heute war er wieder zu sehen, grillte, spielte mit den zahlreichen Kindern der Großfamilie, aber er hat mich nie eines Blickes gewürdigt. Und dann der Gedanke: ist das Kind wirklich nur leicht verletzt, oder reden die Eltern das nur schön?

Heute, am Montag, kamen die Eltern des kleinen Mädchens mit dem Auto an, und Uhu sagt: da ist jetzt das kleine Mädchen drin". Ich will meine Zweifel beseitigt haben und gehe zu ihnen hin. Sie antworten ganz freudig: nein, es war nur der Unterschenkel, und sie führen mich sogar zu dem Kind, das mich ganz wach und groß anguckt. Auch bewegen kann es das Beinchen schon etwas. Aber die Mutter nimmt doch heute mit dem Kind das Flugzeug nach Reykjavík, der Vater fährt mit dem Auto nach, zusammen mit dem kleinen Sohn.

Das ist also nochmal gutgegangen. Fuer mich bin ich beruhigt. Fuer die Familie bin ich wahrscheinlich eine ruehrende Auslaenderin, die sich uebertrieben viel Gedanken ueber anderer Leute Kinder macht. Die Haltung des Fahrers des Unglückautos – ich weiß nicht...

Eigentlich wollte ich hier mal über die schönen Berghänge wandern, aber mir war nicht danach.

Vorbei.

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 03.08.2008

Am Geysir




Im Jahr 2000 habe ich in einem Bericht für die Familie ausführlich über meine Eindrücke vom Geysir geschrieben. Für uns war das damals richtig aufregend, darum gebe ich hier etwas davon wieder:

Eigentlich wollten wir im Sommer 2000 gar nicht zum Geysir. Touristenpflichtprogramm! Der große Geysir springt schon lange nicht mehr, auch die Schau mit der Schmierseife hat man aufgegeben, und den kleineren Strokkur haben wir gesehen. Den Rummel, der da herrscht, wollten wir uns nicht mehr antun, es gibt schöneres und weniger überlaufenes in Island.

Aber dann waren die beiden Erdbeben am 17. und 22. Juni. Ende Juli sagen uns auf einem Campingplatz zwei Berliner, nach dem Erdbeben sei der große Geysir wieder ausgebrochen. Das interessiert uns nun doch. Anfang August treffen wir auf einer Piste zufällig Sven S.,Fotograf, Reisebuchautor, der Island wie seine Westentasche kennt. Natürlich war er jetzt wieder am Geysir. Nicht nur der große Geysir sei wieder ausgebrochen, sondern noch ein dritter, kleinerer. Der große Geysir würde zweimal täglich springen, so zwischen zwölf und vierzehn Uhr und nachts entsprechend, nicht hoch, aber lang anhaltend, der neue unregelmäßig mehrmals am Tag, Strokkur wie immer alle fünf bis sieben Minuten. S. hat tagelang versucht, alle drei zugleich auf ein Bild zu bringen, es ist ihm aber nicht gelungen.

Am Freitag, den 11. August sind wir am Geysir. Wir stellen uns auf dem Campingplatz möglichst weit oben hin und nah am Zaun, so daß wir vor uns die kleinen dampfenden Quellen haben und weiter hinten, rechts hinter dem Wäldchen, den Strokkur springen sehen können.

Das Areal ist stabil eingezäunt, das breite Tor ist offenbar ständig offen. Der breite Klinkerweg führt an den vielen kleinen Quellen vorbei, die dampfen, blubbern und zischen. Am meisten hat es mir ein "Pfeifkessel" angetan: aus einem künstlich gemauerten kleinen Dach zischen zwei Dampfstrahlen heraus; an der Information sagt man uns später, daß diese Konstruktion schon sehr alt ist, früher hätten die Leute hier ihre Wäsche gewaschen.

Dann kommen wir in die Nähe von Strokkur. Ein paar Leute stehen dort, ein Mädchen ganz nah. der Wind bläst ihr entgegen - "Sie steht falsch" sagt Uhu - und schon passiert es: die Fontäne zischt hoch, das Mädchen rennt. Ihr Anorak ist klatschnaß, ich bekomme einen Schreck. Aber dann sehe ich sie lachen, sie hat sich also nicht verbrüht. Offenbar kühlt sich das hochgeschleuderte Wasser an der Luft rasch ab. Aber wir haben den Eindruck, der Strahl von Strokkur ist höher geworden als vor drei Jahren, und ganz bestimmt viel höher als bei meinem ersten Besuch 1973; damals war er vielleicht dreimal mannshoch, heute springt er in einer schlanken Säule von mindestens 20 Metern. Wir gehen weiter, um den Strokkur herum aufwärts. Überall um die Sinterflächen herum sind Absperrungsleinen gespannt, immer wieder neue, offenbar in Eile gemalte Schilder, die vor dem heißen Wasser warnen. Wir haben den Eindruck, daß alle die kleinen Quellen viel stärker dampfen, blubbern und zischen als vor drei Jahren. Das Gelände zieht sich aufwärts. Oberhalb des Strokkur hört der Klinkerweg auf, man muß ein Stück über nasse Sinterfläche staksen, dann führt ein Holzsteg weiter aufwärts im Bogen dicht an einigen Quellen vorbei. Die schönste ist die Blesi, ein leuchtend blauer Spiegel. Von dort stapft man über einen glit­schigen Weg im roten Lehm aufwärts zur Konungshver, der Königsquelle, die so heißt, weil dem dänischen König Anfang des Jahrhunderts aus dieser Quelle heißes Wasser gereicht wurde. Im Museum ist auf einem Foto zu bewundern, wie ein paar Herren in Knicker­bockern eine Kette bilden und einen festhalten, der ängstlich aus der Quelle schöpft. Den weiteren Aufstieg über unregelmäßige Steine zum Aussichtspunkt schenken wir uns heute. Auch von der Konungshver hat man einen guten Blick auf das Becken des großen Geysirs, das ungefähr auf der Höhe des Strokkur, aber weiter links liegt. Ein mächtiger Sinterkegelstumpf, obenauf die bläuliche Wasserfläche, sie soll 14 m im Durchmesser betragen. Wir gehen hinunter, aber wenn man direkt davor steht, kann man das Wasser nicht sehen, der Kegel ist sicher acht bis zehn Meter hoch. Unten am Kegel fließt ein kleiner Bach, bei dem der rote Lehm von üppigem Pflanzenwuchs bedeckt ist. Wir spähen nach dem neuen Geysir, ist er vielleicht dort hinten? Oder ist es doch die tiefblaue Blesi?

Wir verschieben die Suche auf morgen und gehen zurück zum Wagen. Von dort aus haben wir durch die Windschutzscheibe direkt die kleinen Quellen im Blick und können durch die linken Fenster in der Ferne neben dem Wald den Strokkur springen sehen.

Jetzt im August wird es nachts schon einige Zeit dunkel, aber wir lassen die Rouleaus offen und schauen immer wieder dem Strokkur zu. Plötzlich, kurz vor Mitternacht, springt ein zweiter Geysir, etwas links vom Strokkur über dem Waldrand! Er springt nicht sehr hoch, aber im Gegensatz zu Strokkur fällt der Strahl nicht sofort wieder zusammen, sondern er springt fast eine halbe Stunde lang ununterbrochen; wenn Strokkur springt, sieht man sie beide nebeneinander. Der große oder der neue? Wir sind ganz aufgeregt. Als er aufgehört hat, zu springen, reiße ich mich los, um schlafen zu gehen. Als ich im Bad bin, sagt Uhu: "Da ist jetzt allerhand los!". Er sagt später, er habe drei Geysire springen sehen.

Samstag, 12. August:

Wieder regnet es, aber das hindert uns nicht, am Vormittag zum Geysir zu gehen. Dort ist jetzt Hochbetrieb. Ganze Busladungen, was sage ich, Schiffsladungen ergießen sich über das Gelände. Im Gedränge halten ein paar Leute Kellen in die Höhe "MS Delphin" Nr. 1 bis 5, das beruhigt mich: Kreuzfahrer - vom Hafen Reykjavík ein Tag Landexkursion Þingvellir - Geysir - Gullfoss - die fünf Busse bleiben nicht lange. Aber es sind noch viele andere da, die auf den Plattenwegen, den Holzstegen, der Sinterfläche gehen, stehen, fotografieren, sich unterhalten in Sprachen aus aller Herren Ländern. Reiseführer halten Fähnchen hoch, Wächter sorgen dafür, daß die Absperrungen einigermaßen respektiert werden. Eine junge Mutter bewegt sich tatsächlich mit Kleinkind im Caddy jenseits der Absperrung auf dem dampfenden Sinterabhang oberhalb des Strokkur; auf Zuruf des Wächters hebt sie mit rotem Kopf den Wagen wieder über die Leine zurück auf den Weg - man fragt sich, was in den Köpfen mancher Mütter vorgeht.

Uhu bleibt mit dem Fotoapparat beim Strokkur und teilt mit zahlreichen anderen Touristen den Ärger, immer wieder einen Sekundenbruchteil zu spät auf den Auslöser zu drücken, wenn die blaue Blase hochsteigt, aus der dann beim Platzen der Strahl in den Himmel schießt. Er macht schöne Aufnahmen von dem hohen Strahl, und ihm gelingt auch ein Bild, wie das Wasser am Ende des Ausbruchs wieder zusammenläuft und tief im Becken verschwindet - aber dann kommt das Warten, und man weiß nie genau, wann die blaue Blase erscheint, und sie ist nur einen kurzen Augenblick zu sehen.

Ich gehe indessen auf dem Holzsteg aufwärts, ich will den neuen Geysir suchen; nach der Beschreibung von S. müßte er hinter dem Großen sein. Oben von der Konungshver rieseln zahlreiche Rinnsale über den Sinterabhang in Richtung des großen Geysir. Ich bücke mich, um zu fühlen, wie heiß das Wasser ist, denn ich weiß nicht, was es beim Drübergehen mit meinen Schuhsohlen machen wird. Es ist lauwarm, ich hüpfe schnell drüber, komme auf roten Lehm, grünes Gras und gelben Hahnenfuß. Aus einer kleinen Schlucht dampft es; dort fließt der kleine Bach zum Fuß des Sinterkegels des großen Geysirs; weiter hinten sehe ich auch Dampf, aber das Gelände wird unbegehbar, und ich kann nichts von einem Becken entdecken, das ein kleiner Geysir sein könnte.

Ich gehe zurück und hinauf zur Konungshver, genieße von oben den Überblick über das ganze Gelände, auch die bläuliche stille Fläche des großen Geysir - und da! Da beginnt die Fläche sich zu bewegen, sanft und immer stärker wallt sie, Wasser schwappt über den Rand, aus mehreren Stellen in der Mitte sprudelt es, ein unregelmäßiger Strahl steigt hoch inmitten gewaltiger Dampfwolken - der große Geysir springt ! Und er springt lange. Es ist nicht ein plötzlicher hoher Strahl, der augenblicklich wieder zusammenbricht wie der Strokkur, sondern immer wieder springen unregelmäßig größere und kleinere Fontänen, und viel, viel Dampf wallt auf.

Nach einer halben Stunde liegt der Große Geysir still da, und ich gehe in das kleine Museum. Dort erfahre ich, daß seit dem Mittelalter der große Geysir immer nach Erdbeben ausbricht und einige Jahrzehnte aktiv bleibt, daß der dritte Geysir Fata heißt und ebenfalls nach Erdbeben ausbricht, und lerne und vergesse, warum der Strokkur mit und der große Geysir ohne Blase ausbricht.

Nach dem Abendessen im Wagen, gegen 20 Uhr, sehen wir plötzlich über dem Wald einen Geysirausbruch, der weder Strokkur noch der Große sein kann. Die Fata, der Neue! Solange wir uns hastig in die Schuhe quälen, können wir ihn springen sehen, auf dem Weg zum Gelände ist der Strahl verdeckt, und als wir bei dem Sinterabhang über dem Strokkur sind, ist er natürlich erloschen. Strahlend und aufgeregt erzählt uns eine Frau in breitem Amerikanisch, sie habe den kleinen Geysir gesehen, und er sei vier Minuten gesprungen. Wir nehmen uns vor, um Mitternacht nochmals hinzugehen und behalten im Wagen die Schuhe an.

Um 22.30 Uhr, ruft Uhu: "Der große Geysir springt". Nichts wie hin! Schon vom Anfang des langen Plattenweges sieht man die Dampfwolke da hinten auf dem hohen Sinterkegel. Dann stehen wir vor der Absperrung, vor uns ragt der Kegel auf, und hoch oben wallt der Dampf und zischen leise die Wasserstrahlen, lange, lange. Dann ruht er; die Wasserfläche können wir von hier unten nicht sehen. Wir bleiben stehen; nach einer Weile beginnt es wieder, und das wiederholt sich in Abständen über eine Stunde lang: langsam steigt wenig Wasser und Dampf auf, dann immer mehr und heftiger, Fontänen an mehreren Stellen, kleinere und größere, und Dampf, Dampf, Dampfwolken steigen in den nächtlicher werdenden Himmel.

In den Pausen schauen wir uns um: wir stehen in einer Hexenküche. Auf dem Sinterhang über dem Strokkur brodelt und dampft es jetzt gewaltig aus allen Löchern. Die Konungshver oben scheint sich für einen Geysir zu halten, richtig hoch sprudelt es in ihrer Mitte und eine riesige Dampffahne weht zu uns hinab. Auch dort, wo die Fata sein müßte, dampft es heftig, aber kein Wasserstrahl springt dort empor. Dazu läßt Strokkur, brav wie immer, alle paar Minuten die blaue Blase aufsteigen und schleudert seine schlanke Fontäne hoch. Außer uns ist kein Mensch mehr da. Schließlich bleibt der große Geysir längere Zeit ruhig, wir reißen uns los und gehen unter dem fast vollen Mond zum Ausgang; auch hier steigt aus allen Quellen der Dampf heftig wie nie am Tage. Um Mitternacht sind wir wieder im Wagen.

Um 22.30 Uhr, ruft Uhu: "Der große Geysir springt". Nichts wie hin! Schon vom Anfang des langen Plattenweges sieht man die Dampfwolke da hinten auf dem hohen Sinterkegel. Dann stehen wir vor der Absperrung, vor uns ragt der Kegel auf, und hoch oben wallt der Dampf und zischen leise die Wasserstrahlen, lange, lange. Dann ruht er; die Wasserfläche können wir von hier unten nicht sehen. Wir bleiben stehen; nach einer Weile beginnt es wieder, und das wiederholt sich in Abständen über eine Stunde lang: langsam steigt wenig Wasser und Dampf auf, dann immer mehr und heftiger, Fontänen an mehreren Stellen, kleinere und größere, und Dampf, Dampf, Dampfwolken steigen in den nächtlicher werdenden Himmel.

In den Pausen schauen wir uns um: wir stehen in einer Hexenküche. Auf dem Sinterhang über dem Strokkur brodelt und dampft es jetzt gewaltig aus allen Löchern. Die Konungshver oben scheint sich für einen Geysir zu halten, richtig hoch sprudelt es in ihrer Mitte und eine riesige Dampffahne weht zu uns hinab. Auch dort, wo die Fata sein müßte, dampft es heftig, aber kein Wasserstrahl springt dort empor. Dazu läßt Strokkur, brav wie immer, alle paar Minuten die blaue Blase aufsteigen und schleudert seine schlanke Fontäne hoch. Außer uns ist kein Mensch mehr da. Schließlich bleibt der große Geysir längere Zeit ruhig, wir reißen uns los und gehen unter dem fast vollen Mond zum Ausgang; auch hier steigt aus allen Quellen der Dampf heftig wie nie am Tage. Um Mitternacht sind wir wieder im Wagen.

Montag, 14. August:

Wir haben beschlossen, noch einen Tag hierzubleiben; es muß doch möglich sein, die Fata springen zu sehen! Ausgehfertig angezogen sitzen wir im Wagen, lesen und beobachten. Nach 19 Uhr kommt etwas Sonne zwischen den Wolken heraus, wir gehen wieder zum Gelände. Aber die Fata bricht nicht aus, nur Strokkur springt wie immer.

Gegen 21.45 Uhr beschließen wir heimzugehen; von der Konungshver abwärts kommen wir dicht am großen Geysir vorbei. Die Absperrung auf dem abwärts führenden Plattenweg macht einen Bogen auf den Sinterkegel, wo sie jenseits des kleinen Baches auf halber Höhe entlangführt; an dieser Stelle kommt man am dichtesten an den großen Geysir heran, das heißt direkt an den Fuß des Sinterkegels. Wir bleiben stehen und schauen uns mit Muße diesen mächtigen Kegel an, der aus tausenden kleinen, hellbraun, grau und silbrig glänzenden Schuppen besteht, die der heiße, schwefelige Wasserstrahl hier in Jahrtausenden abgelagert hat. Unten der Bach in roter Erde, umrandet von leuchtend grünem Gras und gelben, rosa und weißen Blüten, dahinter niedrige rote Bergrücken.

Plötzlich hören wir aus dem Inneren des Kegels ein dumpfes Grollen, ein Poltern, ein Donnern, wie von Explosionen. Ist das der Beginn eines Ausbruchs? Wir schauen nach oben: jetzt sehen wir das Wasser, es schwappt über den Rand - und was ist das? Ein zartes Klingeln wie von tausend silbernen Glöckchen, - an allen Seiten rieselt Wasser den Abhang hinunter! Es läuft in das Bächlein, das jetzt lebhafter fließt. Und oben wallt jetzt der Dampf. Ich gehe ein paar Schritte rückwärts, um von weiter oben auf dem Plattenweg einen Blick auf die Wasserfläche zu erlangen und auch etwas von den Fontänen zu sehen, die zwischen dem Dampf aufsteigen. Das silberne Rieseln hört rasch auf, der Dampf und die Fontänen steigen noch eine Weile, dann liegt die Wasserfläche wieder ruhig und hellblau da. Aber wir wissen, er wird noch einige Male ausbrechen, wir warten.

Ich gehe hin und her auf der Suche nach der günstigsten Stelle, möglichst nah am Kegel, aber so, daß ich auch den oberen Rand und möglichst etwas von der Wasserfläche sehen kann. Etwas oberhalb von mir steht eine junge Frau. Dunkle Mandelaugen in einem schmalen braunen Gesicht, umrahmt von glattem tiefschwarzem Haar unter der leuchtend gelben Kapuze, ganz schmal die Gestalt in der gelben Regenkleidung, langer Mantel und lange Hosen, die Arme fest um den Leib gelegt, die Füße geschlossen. So steht sie unbeweglich, die großen Augen schauen still und andächtig zum Geysir, ganz Erwartung des Wunders. Ich schäme mich fast, daß ich so unruhig hin- und hergehe und auch noch laut mit Uhu spreche; ich werde stiller.

Dann wieder das dunkle Grollen und Donnern tief im Kegel, und dann dieser wunderschöne, kurze Augenblick, das silberne Klingen und Rieseln über die ganze schuppige Fläche des Kegelhanges, bis das Bächlein das Wasser aufgenommen hat und nur noch oben der Dampf und die Fontänen toben. Noch sechs Mal erleben wir das: Grollen, Donnern, Aufwallen, Schwappen, Rieseln, Rieseln und silbernes Klingeln, Dampfwallen, Fontänenzischen, Abebben, Ruhe. Am Schluß steigen noch ein paarmal mit Rauschen steile Dampfwolken auf, das scheint das Ende zu sein, wir reißen uns los. Die Schmale, Gelbe hat die ganze Zeit dagestanden ohne sich zu rühren, den Blick unverwandt auf den Geysir gerichtet. Als ich an ihr vorbeigehe, lächeln wir uns zu. Dann schließt sie sich einer Gruppe junger Leute an; die leisen Gesprächsfetzen klingen arabisch.

Bis 23 Uhr ist der große Geysir gesprungen. Die Fata ist nicht ausgebrochen. Am treuen Strokkur vorbei gehen wir heim. Am nächsten Tag fahren wir fort, neuen Abenteuern entgegen.

Das war im Jahr 2000. 2003 waren wir wieder dort; der große Geysir sprang ca. alle 6 Stunden, aber nicht hoch, und ohne dieses Poltern und Rieseln.

In diesem Jahr war ja wieder ein Erdbeben, und wir hofften, dass der große Geysir wieder stärker springen würde. Aber er tut es nicht, springt zweimal am Tag zu unregelmäßigen Zeiten. Ich habe ihn einmal gesehen, aber es waren nur kleine unregelmäßige Fontänen, und das Wasser lief an zwei Stellen den Sintenhang hinunter in den Bach; nichts mehr von diesem silbernen Rieseln, auch nicht das Poltern vor dem Ausbruch. Wir sahen auch öfters undisziplinierte Touristen einfach über die Absperrung den Sinterhang hinauf bis zur Wasserfläche gehen – dadurch ist natürlich einiges heruntergetrampelt – schade!

Der Strokkur ist wieder größer geworden: offiziell 25 bis 35 Meter hoch. Er springt alle 8 bis 15 Minuten, und zwar kommt nach der ersten Fontäne, die sehr unterschiedlich hoch ist, noch ein zweiter kleinerer Strahl, manchmal sogar ein dritter. Auf Uhus Foto hier kann man das sehen:



Aber so aufregend wie im August 2000 war es nicht mehr.

Die Bilder von dem Geysir-Bericht aus 2000, mit der alten analogen Kamera aufghenommen, kleben natürlich zu Hause im Album. her gebe ich nur ein paar von Uhu jetzt aufgenommene Impressionen von dem Areal mit den übrigen, kleinen heißen Quellen:





 

 







Island - Land der Schmiede


Als wir wegen Schwierigkeiten mit der Olympus im Prospekt von Egilstaðir nach einem Fotogeschäft suchten, fanden wir den Eintrag "Ljósmyndsmiðjan". Ljós heißt Licht, mynd heißt Bild, und mit smiðjan, "Schmied" wird in Island jeder bezeichnet, der etwas handwerkliches anzubieten hat. Dieses hier war ein Fotogeschäft, in dem auch Bilder entwickelt und Portraitfotos aufgenommen wurden. Der Lichtbilderschmied konnte uns auch mit Olympus helfen (über den Olympus-Frust schreibe ich ein andermal).

Es gibt viele Schmiede in Island. Mit meinem Computer half mir schon ein Tölvusmiðjan – die germanisch-puristischen Isländer sagen natürlich nicht "Computer" sondern "tölva", Zähler (aber wir haben vor der Erfindung des PC ja auch "Rechner" gesagt). Ein Baumarkt heißt Húsasmiðjan, an einer Werkstatt, die nicht nur Auto- sondern auch Schiffsmotoren reparierte, stand "Vélsmiðjan (vél heißt Motor). Ein Tischleer oder Zimmermann ist der Trésmiðjan ("tré" heißt Baum). Auf den Schokoladentafeln an der Kasse des Ladens hier am Geysir las ich gerade "Súkkulaðismiðjan".

Am schönsten fand ich in Reykjavík eine Aufschrift "Pizzuverksmiðjan". Hierzu gibt es noch mehr zu sagen: Vor acht Jahren erzählten uns Isländer verärgert, dass das Parlament beschlossen hatte, das Wort "Pizza" durch ein isländisches Wort zu ersetzen – irgendwas in der Art "Italienisches Flachgebäck". Die Isländer legen großen Wert auf den Erhalt ihrer klassischen Sprache, und das Parlament, das natürlich nicht Parlament sondern Alþing heißt, ist dafür zuständig, und es sucht für jedes neue Fremdwort ein isländisches Wort. Aber bei der Pizza gab es viel Widerspruch in der Bevölkerung, und unsere Bekannten waren wie wir der Meinung, dass eine Pizza einfach eine italienische Spezialität ist und bleiben sollte. Jetzt, acht Jahre später, stelle ich fest, dass sich der Parlamentsbeschluss über die Pizza wohl nicht durchgesetzt hat. Allerdings ist es soweit islandisiert, dass der Pizzalieferant eben ein gut isländischer Schmied ist. Allerdings, genau gesagt: "verksmiðja" heißt Fabrik; dieser Pizzaschmied betrachtet sich also wohl als Fabrikant. Hoffentlich schmecken seine Pizzen nicht wie aus der Fabrik...

 

Samstag, 19.07.2008

Der heisse Waschplatz von Reykjavík


Die ersten Siedler nannten den Ort "Reykjavík", Rauchbucht, weil der Dampf von den heißen Quellen auf der Anhöhe weit von der Bucht aus zu sehen war.

Der alte Ort Reykjavík liegt unten am Wasser, die Quellen befinden sich ein ganzes Stück oberhalb und waren in früheren Zeiten nur durch beschwerliche Fußmärsche durch Sumpfgebiet mit Bächen, die zu kräftigen Flüssen anschwellen konnten, zu erreichen. Heute sind in der Nähe Sportstätten, ein Schwimmbad und ein großer Campingplatz, und das ganze befindet sich mitten in der sich ständig ausbreitenden Stadt.

Heute sind die Quellen oberirdisch nicht mehr sichtbar, sie werden aber weiter genutzt und tragen zur Heißwasserversorgung der Großstadt Reykjavík bei. An der Stelle, wo sie früher aus der Erde traten, zwischen Campingplatz und Botanischem Garten, erinnern einige Spuren und eine Serie Schautafeln an die Bedeutung, die sie für die Bevölkerung Reykjavíks hatten.

Seit Reykjavík im 18. Jahrhundert einige Bedeutung als Stadt bekommen hatte, wurden die Quellen von der Bevölkerung zum Waschen genutzt. Die Dokumentation beschreibt, wie die Waschfrauen vor allem für die reichen Bürger die Wäsche auf dem Rücken, Waschholz und Waschmittel in der Hand, über den weglosen Aufstieg zu den Quellen trugen; ihre Pferde stellten die Bürger ihnen nicht für den Wäschetransport zur Verfügung. Erst spät im 19. Jahrhundert wurde ein Weg gebaut, auf dem man die Wäsche mit Handkarren transportieren konnte. Die Arbeit war sehr gefährlich: die Wäsche wurde zwar mit Hölzern in das ca. 85° heiße Wasser getaucht und darin bewegt, aber Unfälle kamen immer wieder vor; einige Frauen und auch Kinder, die mit ihren Müttern dort waren, fielen in die offenen Becken und starben an ihren Verbrühungen. Schließlich wurde über den Becken eine Konstruktion aus Gitterstäben angebracht, auf die sich die Frauen beim Waschen lehnen konnten, ohne dass jemand hineinfallen konnte.

Dann baute eine Frauenvereinigung ein Waschhaus, in dem die Frauen von Regen und Schnee geschützt waschen konnten. Im frühen 20. Jahrhundert verkehrte auch ein Bus, der die Waschfrauen zu den Quellen brachte

Erst im zweiten Weltkrieg, als viele Reykjavíker Frauen für die englische Besatzung Wäsche wuschen, wurde ein Waschhaus eingerichtet, in das das heiße Wasser von den Quellen durch Leitungsrohre geleitet wurde, so dass die Frauen Wasserhähne aufdrehen konnten. Ein Foto

aus den 40er Jahren zeigt die Frauen in einem Raum zwischen großen Holzzubern, an der Wand ein paar Wasserhähne.

Das Waschhaus soll noch bis 1976 benutzt worden sein.

Heute kann man nur noch die Reste der alten Becken mit den Gitterstäben fotografieren,


eines davon mit seinen Zugängen.

Donnerstag, 10.07.2008

Rekrutieren deutsche Neo-Nazis in Island?


In dem Internet-Café Ground Zero ink Rezkjavík habe ich mich pudelwohl gefuehlt. Ueber eine steile dunkle Treppe kam man in einen dunklen Raum, vollgestellt mit schwarzen Polstersesseln gruppiert um Tische mit den Monitoren, dazwischebn musste man sich durchzwaengen. Der eine oder andere nette junge Mann gab Auskunft und half, wenn ich nicht zurechtkam. Fuer ca. 5 Euro konnte ich eine Stunde oder laenger gemuetlich surfen.

Ich war zwei Generationen aelter als der Rest der Besucher, und offenbar auch die einzige, die las und schrieb und nicht spielte. Es war ruhig, nur ab und zu ein Schrei, wenn wohl einer im Spiel gewonnen oder verloren hatte.

Als ich gestern fertig war und aufstand, fiel mein Blick zufaellig auf den Pfeiler in der Mitte des Raumes. Dort hing ein kleines Plakat, hellbraun, darauf in grosser Fraktur-Schrift auf Deutsch:

Die Division Hermann Göring stellt Freiwillige ein!

Darunter das Bild eines lachenden deutschen Soldaten aus dem 2. Weltkrieg, darunter:

Komm zu uns! Oder so aehnlich.

Ich dachte, mich trifft der Schlag. Mein erster Gedanke war, das Plakat einfach abzureissen, aber dann dachte ich, ich bin im Ausland, ich kann hier sowas nicht machen. Naechster Gedanke: Wo bin ich Naivling hier reingeraten, sind die netten jungen
aenner ein NaziþClub? Neben mir stand einer der Angestellten, ich fragte ihn, von wem dieses Plakat stamme, gehörte es dem Café? Er, nett und harmlos: "Yes, why?". Da konnte ich nur noch sagen: "Then I will neven come here again!", und rausrauschen.

Jetzt aergere ich michueber mich. Ich haette mit dem harmlosen jungen Mann ruhig eine kurze Diskussion anfangen sollen. Andererseits: es ist nicht meine Aufgabe, im Ausland ueber den Rechtsextremismus in dem Land zu diskutieren. Ich will einfach mit diesen Leuten nichts zutun haben.

Aber Uhu und ich fragen uns jetzt: Wie kommt so ein deutsches Plakat nach Island?? Ich habe mal gelesen, dass es im skandinavischen Raum durchaus eine Neonazi-Szene gibt. Aber was ist das mit dem deutschen Plakat? Rekrutieren die deutschen Neonazis im nordischen Ausland?

Dienstag, 08.07.2008

Islaendische Verhaltensweisen


Einige
Verhaltensweisen der Isländer, die für uns ungewöhnlich
sind, kennen wir längst. Vor allem diese starke Zurückhaltung,
die für uns im ersten Moment fast etwas beleidigendes haben
kann: wenn man auf jemanden zugeht, um etwas zu fragen, dreht er sich
weg oder geht ins Haus, und so weiter. Das hat etwas mit der
jahrhundertelangen Unterdrückung durch Norweger und Dänen
zu tun: was kann ein Fremder von einem wollen? Nur Übles. Wenn
sie dann merken, dass der Tourist nur Hilfe will, werden sie sehr
nett.



Sehr
sympathisch finde ich oft das Verhalten von Dienstleistern oder
Handwerkern: Sie geben offen zu, wenn sie einen Fehler gemacht haben,
sogar wenn wir es gar nicht gemerkt haben. In Deutschland würden
solche Leute sich bedeckt halten, oder alle möglichen Ausreden
erfinden.



Aber
dieses Jahr ist mir etwas aufgefallen, was ich noch nicht einordnen
kann:



-
Wenn auf der Post in Reyðarfjörður ein Computerplatz ist
mit dem englischsprachigen Hinweis, dass man hier gerne ins Internet
gehen darf, und davor sitzt eine Postangestellte und tippt eifrig;
anschließend frage ich, ob ich den Platz benutzen darf, und sie
sagt: "it is broken";


-
Wenn dann die Kollegin auf meine Frage, ob es hier im Ort einen
anderen öffentlichen Internet-Zugang gibt, antwortet: "Ja,
wir haben ein Internet-Café, aber es ist gestern abgebrannt"-
und am nächsten Tag finde ich gegenüber in der Tankstelle
einen guten Internet-Zugang, und der Tankstellen-Mann, dem ich das
Erlebnis auf der Post erzähle, sagt: "Aber die wissen, dass
ich das hier habe, und dass es gratis ist!";


-
Wenn ich im Camping Skaftafell, das jetzt sehr elegant auf
Touristen-Informationscenter aufgemacht ist, an der Rezeption frage:
"Früher war hier ein Kaufladen und ein Restaurant, wo finde
ich die?", und die Angestellte sagt: "In einigen Tagen
werden wir wieder einen Laden und ein Restaurant haben, im Augenblick
leider nicht" – und man sieht keine Räume mehr, wo so
etwas wieder eingerichtet werden könnte -



ja
dann weiß ich so gar nicht, wie ich das einschätzen
soll...






Campingplatz-Idylle


Ich
zitiere aus unserem Logbuch vom Sommer 2003, ein paar Einträge
aus dem Camping Reykjavík:


Sonntag,
12.7.: Schräg gegenüber von uns wird ein österreichischer
PKW von einem österreichischen Geländewagen aus einem
Sumpfloch gezogen.
Sonntag, 13.7.: Die Schlammlöcher haben
sich in veritable Feuchtbiotope verwandelt.
Freitag 18.7.: Camping
Reykjavík wird langsam sympathisch: sauber gehalten und nicht
sehr laut. Die Feuchtbiotope verwandeln sich in trockene
Schlammlöcher.
Mitwoch, 23.7.: Wieder zum Camping Reykjavík.
Hier musste es noch mehr geregnet haben, der Rasen war so, dass wir
lieber auf dem Schotter blieben. Ein Schweizer nahm sich an uns ein
Beispiel und fuhr sein Dickschiff mit den Vorderrädern auf den
Schotter, mit den Hinterrädern fuhr er auf seine schönen
Unterlegkeile, die sofort im Boden verschwanden, ein Teil der Räder
auch. Übernachtung: Camping Reykjavík, verwandelt in eine
romantische Seenplatte.
Donnerstag, 24.7.: Die Seenplatte wird
größer.
Freitag, 25.7.: Mittags zog ein französischer
Iveco einen französischen Defender aus dem Rasen. Das bestätigt
uns, auf dem Schotter zu bleiben, obwohl um uns herum immer wieder
einige Allradfahrzeuge in die Sumpfwiese fahren, und andere Stellen
frei werden.



Der
Campingplatz Reykjavík befindet sich im Laugardalur, dem
Gebiet der heißen Quellen. Auf einem kleinen Spaziergang
erreicht man die Stelle, an der seit alten Zeiten die Wäsche von
ganz Reykjavík gewaschen wurde; ich werde gelegentlich noch
mehr darüber sagen. Es ist also kein Wunder, dass der Untergrund
sumpfig ist, eigentlich völlig ungeeignet für ein Camping.



Inzwischen
scheint sich aber doch etwas geändert zu haben. Als wir dieses
Jahr bei strahlendem Sonnenwetter ankommen, sehen wir: der Teil für
Wohnmobile und -wagen ist nicht mehr grün, sondern braun.
Offenbar hat man die ganze Fläche gründlich geschottert und
darüber Rollrasen ausgelegt, und der bekommt natürlich
durch die darauf stehenden Fahrzeuge keinen Regen ab und ist
vertrocknet. Sieht trist aus. Aber es scheint jetzt trocken zu sein.
Beim Einrangieren wühlen unsere Räder allerdings sofort
Torf auf – wer weiß, wie es in der nächsten Regenperiode
sein wird.



Mit
dem Campingplatz Reykjavík verbindet uns eine Hassliebe. Wir
schimpfen jedes Mal. Er ist viel zu klein für den immer größer
werdenden Touristen-Andrang. Die sehr jungen Leute, die den Platz
warten, können sich natürlich nicht durchsetzen (bzw.
versuchen es gar nicht erst) bei den unterirdischen
Territoriums-Kämpfen zwischen Zeltern und Wohnmobilisten,
Einzelfahrern und Reisegruppen. Ansonsten tun die jungen Leute, was
sie können, um den Platz, besonders die sanitären Anlagen,
sauber zu halten, und sind auch sehr nett und hilfsbereit bei den
tausend Fragen und Problemen, die an sie herangetragen werden.



Unsere
Ankunft letzten Montag Abend, Schock! Wohnmobile dicht bei dicht,
kein Mauseloch mehr frei! Schließlich fanden wir doch eines, in
einem eingezäunten Grasareal, dicht neben einem isländischen
Klappcaravänchen, die Leute nehmen es mit Humor. An der
Rezeption ein Schild: zwischen 19:30 und 21 Uhr geschlossen. Das ist
unser Glück, denn als ich nach 21 zur Anmeldung gehe, sagt das
Mädchen, sie könne kein WoMo mehr aufnehmen! Verweist uns
an das Camping in der angrenzenden Stadt Hafnafjörður. Aber
als ich ihr erkläre, dass wir schon einen Platz gefunden haben,
ist es auch gut.


Das
hätten wir uns eigentlich denken können, schon bei der
Auffuhr auf die Norröna in Dänemark: Wohnmobile in Massen,
vor allem mehrere komplette Reisegruppen. Die wollen alle auch
irgendwann nach Reykjavík. Zur Zeit eine Gruppe mit 21
französischen, und eine mit ca 18 belgischen Fahrzeugen; die
Holländer mit Wohnwagen sind diesmal in der Minderheit. Am
nächsten Morgen reisen die Franzosen ab, wir suchen uns einen
guten Platz an der Stirnseite des WoMo-Areals und können von nun
ab der Beschäftigung frönen, die besonders Uhu, der zur
Zeit kaum gehen kann, immer wieder viel Spaß macht: die Idylle
sorgfältig beobachten und zu kommentieren.





Erstes
Ziel ist das österreichische Touristik-Unternehmen, verhasst bei
allen Einzelreisenden, weil seine Leute immer höchst arrogant
auftreten und natürlich ein ganzes Areal beanspruchen. Früher
kamen sie mit zwanzig Zelten, heute brummen sie mit Rotel –
Zugwagen und Anhänger - herein, stellen sich über Eck bei
dem umzäunten Rasen auf, auf dem wir letzte Nacht standen, und
schaffen es im Lauf des Vormittags, alle Klappkaravans und Zelte von
dort zu vertreiben, um ihre Küchen- und Esszelte dort
aufzustellen.


Bei
den Fahrzeugen fällt auf: wir sehen fast nur Wohnmobile und
Wohnwagen, darunter jede Menge ausgesprochener Dickschiffe – wo
sind die vielen Allradfahrzeuge, Landys, Defender, und die klotzigen
Unimogs, die früher zur Eroberung der isländischen Wüste
aufbrachen?? Auch bei den Isländern, die dieses Camping
teilweise als Ferienaufenthalt mit ihrer Kinderschar benutzen, fällt
uns sehr auf: früher kamen sie im PKW mit Klappzelt in einem
kleinen Anhänger, bestenfalls im Pickup mit diesem
charakteristischen, abnehmbaren Wohnmobil-Aufbau auf der Ladefläche.
Und der Wohnmobilclub Südisland, mit dem wir uns mal bekannt
gemacht hatten, das waren ausnahmslos selbst ausgebaute Kleinbusse.
Jetzt sehen wir auch viele Isländer mit großen
Wohnmobilen, oft ausgesprochenen Dickschiffen. Wieder ein Zeichen des
wachsenden Wohlstandes in diesem erstaunlichen Land.


Neben
dem Wohnmobil-Bereich hinter einer kniehohen Umzäunung ist ein
Rasenstück für Zelte; dort stehen auch die wenigen
"Hytter", diese im skandinavischen Raum beliebten einfachen
Hütten, die man mieten kann. Der Hauptteil für Zelte ist
aber eine sehr große Wiese jenseits des Gebäudes mit der
Rezeption, dem Sanitärbereich und den Kochgelegenheiten. Ich mag
eigentlich die Atmosphäre, die um dieses Gebäude herum
herrscht: Leutchen aus aller Herren Ländern, die kochen, essen,
sich informieren, mit einander ins Gespräch kommen. Ich glaube,
diese Atmosphäre ist sehr anders als die, wie sie in unsere
Fernserie "die Camper" dargestellt wird: dort sind es
Dauerkämper, denen es vor allem auf Jux ankommt, hier sind es
Touristen, Wanderer, auch Abenteurer, die etwas sehen wollen.


Uhu
guckt spazieren: vor uns Engländer in vier Wohnwagen, alle von
der gleichen Firma, zwischen dem zweiten und dritten haben sie eine
große Satellitenschüssel auf die Erde gestellt – ob sie
wirklich ihr Programm empfangen können? Sie holen Wasser in
praktischen Fässchen, die sie an einem Bügel auf dem Boden
langrollen.


Da
hinten kommt doch ein Defender, komplett mit Sandblechen, die Familie
baut hinter sich ein riesiges Wohnzelt auf und noch ein Dachzelt. Die
kleinen Kinder der Isländer neben uns klettern stundenlang in
dem einzigen Baum herum, ungeheuer geschickt, und lassen sich vom
untersten Ast auf die Erde fallen – wo sieht man bei uns heute noch
Kinder auf Bäume klettern? Ein französisches Paar markiert
seinen Standplatz umständlich mit einer Leine und seinen
Unterlegkeilen, bevor sie in die Stadt fahren – aber inzwischen
klemmt sich ein Italiener dicht daneben. Mit einem Schweizer mit
ausgebautem Bully fachsimpelt Uhu über praktische
Geländefahrzeuge. Inzwischen kommt auch der eine oder andere
Defender und größere Geländefahrzeuge herein. Zum
Fachsimpeln kommt es schnell: die Männer (ausnahmslos die
Männer!) sehen unser Wohnmobil, stutzen, bücken sich, dann
die Frage: Allrad? Nachgerüstet? Wo? Und schon gehts los, Uhu
braucht sich nicht einsam zu fühlen.


Heute,
noch vor dem Frühstück, klopft ein Luxemburger, dem wir
schon bei einer früheren Reise begegnet sind, und aus meinem
Blogeintrag-Schreiben und meiner Fahrt in die Stadt zum Internet-Café
wird nichts: er informiert uns über wichtige GPS-Koordinaten,
und wir quasseln, quasseln, von 12 bis 20 Uhr!



Und
dann ist da noch etwas: Bei unserem ersten Aufenthalt fiel uns auf,
dass gegen Abend immer einigige isländische PKWs auf den
Campingplatz kamen, fuhren ganz langsam den Mittelweg auf und ab und
fuhren wieder weg. So etwas kam immer wieder. Wir waren ganz
verunsichert: was wollen diese Leute?? Wollen sie Drogen verkaufen,
oder hoffen sie Alkohol kaufen zu können (in Island herrscht
eine teilweise Prohibition)?? Bis uns ein Islandkenner das erklärte:
Die Leute machen einfach ihre Abend-Spazierfahrt! So wie man bei uns
einen Abend-Spaziergang macht und sich dabei ein bisschen umschaut.
Auf den Campingplatz zu fahren und die vielen verschiedenen Fahrzeuge
anzugucken, ist ja ganz lustig. Seitdem sehen wir das auf jedem
Campingplatz, auch da, wo wir die einzigen Gäste sind, und
wissen Bescheid: nur ein Spazierengucker!



Wie
gesagt: wir schimpfen über dieses Camping Reykjavík, und
am ersten Tag hatten wir überlegt, lieber nach Hafnarfjörður
zu fahren, aber dann sind wir doch hier geblieben. Irgendwie macht
dieses wenig schöne Camping süchtig!






Samstag, 05.07.2008

Warum bekomme ich die schönsten Island-Bilder nicht aufs Blog?


Reykjavík, den 5.7.08:
Endlichsitzte ich mal in einem richtigenInternetþCafé undhabe Zeit. Ein bisschen habe ich ja inzwischen Kapiert, was ich bisher mit denFotos falsch gemacht hatte: vor allem die Sonderzeichen in denDateinamen, nicht nur die islaendischen, sondern hier wird auch das ae, ö und ue von meinem Stick nicht aufs das deutsche Blog angenommen.

Aber Uhus wunderschöne Bilder bekomme ich noch nicht hin, das muss etwas mit seiner Olympus-Sofsware zu tun haben. Das eine aus Höfn ging, aber die anderen nicht. Ich muss noch ausprobieren, wie ich sie auf meinen Stick kopiere und umbenenne.

Ein paar Bilder, die meisten mitmeinem kuemmerlichen Handy gemacht, habe ich jetzt in die entsprechenden Eintraege gesetzt:
http://alteeule.blogg.de/eintrag.php?id=478 und
http://alteeule.blogg.de/eintrag.php?id=485.

Vielleicht kommen noch ein paar Bilder von Uhu dazu.

Fuer heute bin ich genervt. Es gibt eigentlich noch so viel zu erzaehlen; das kommt vielleicht morgen; wir haben hier ein paar Tage Leerlauf. Bis dann.

Montag, 30.06.2008

Gletscher, Goals und wieder Gletscher


Höfn
Am 21. Juni kamen wir in Höfn an, das liegt im Osten der Südküste. Vor elf Jahren hatten wir hier ganz fürchterliches Wetter, Regen mit einem Sturm, der den Wagen fast umriss. Man erlaubte uns, außerhalb des Campingplatzes im (geringen) Windschutz des Rezeptionshäuschens zu stehen; gesehen haben wir nichts.
Diesmal war das Wetter recht gut. Der Platz ist inzwischen riesengroß: mehrere Schotter-Terrassen und weitläufige Rasenflächen mit Gebüsch dazwischen für die Zelter. Uhu lotste mich nach ganz oben, das große Fenster mit Blick auf den Fjord, der hier mehr eine Lagune ist, mit lauter Inselchen; zur anderen Seite ein Wohnviertel, das interessierte uns weniger.
Aber spät abends riss über dem Wohnviertel die Wolkendecke auf, und heraus kamen – Gletscher, Gletscher, Gletscher! Zwischen grauen Bergen vier Gletscherzungen des gewaltigen Vatnajökull, man hatte den Eindruck, sie kämen bis an die Stadt heran; in Wirklichkeit sind sie 20 bis 30 km Luftlinie entfernt. Wir saßen und schauten bis nach Mitternacht. Der Anblick wechselte ständig, besonders wenn, wie hier sehr oft spät abends, die Sonne herauskam. Die Gletscherzungen sehen alle verschieden aus, mit Einsprengseln von schwarzen Felsspitzen und dunklen Streifen. Manchmal konnte man ganz weit über sie wegblicken, sah viele Einzelheiten, und manchmal sah man auch über die dazwischen liegenden Berge hinweg, alle Zungen verbindend, ganz weiß die flache Wölbung des Hauptgletschers.

Wir blieben nun einige Tage hier. Die ganze Zeit über schien strahlende Sonne, wenn auch der ziemlich kalte (diesmal mäßige) Wind mich am Sonnenbaden hinderte. Aber Uhu konnte alle Einstellungen seiner neuen und immer noch schwierigen Kamera, Panorama-Modus, Stativ, Übertragung auf den Computer mit und ohne Olympus-Software (ohne gehts besser :)) ausprobieren. Die Gletscher waren nun fast immer zu sehen.
Hier sind die schönsten seiner Bilder:
Über die Kirche:


Über die Häuser:


Und noch ein bisschen näher:


Und über die Zeltwiesen hinweg:


So näherte sich der Abend des Halbfinalspiels Deutschland-Türkei, das wir unbedingt sehen wollten. Die Camping-Angestellte nannte uns ein Restaurant mit einem guten Fernseher, Kaffi Hornið. Sogar zwei Fernsehschirme, einer im Hauptraum lief ohne Ton, daneben leise "Fahrstuhlmusik", und einer in einem mit Couchgarnituren rundum eingerichteten Nebenraum. Es war erst 18 Uhr (wir haben hier GMT), aber die Einstimmung mit Bildern von der Berliner Fanmeile und den Kommentaren des isländischen Moderatorenteams lief schon. Das verstehen wir doch nicht, also erstmal im Hauptraum gegessen. Als wir hineingingen, saßen schon sechs, sieben Leutchen da, meist Deutsche, später kam noch ein Pärchen dazu. Unter dem an einer Schmalseite des Raumes hoch oben aufgehängten großen Bildschirm saß ein älteres Paar ("älter" heißt jünger als ich :)), beide mit aufgeschlagenen Büchern bewaffnet, von denen sie während des ganzen Spiels keinen Blick abwendeten, genauer gesagt, sie in ihrem Sessel direkt unter dem Bildschirm, wandte keinen Blick vom Buch, er, über Eck auf der Couch, linste ab und zu schüchtern zum Bildschirm hoch; sie hatte wohl bestimmt, das Spiel ostentativ zu boykottieren. Die anderen Zuschauer schauten stumm zu; als wir beim ersten deutschen Tor einen ganz leisen Schrei nicht unterdrücken konnten, ernteten wir von dem einzigen isländischen Paar immerhin ein Lächeln. Türkischer Ausgleich, Halbzeitpause, Beginn der zweiten Halbzeit – und dann fiel die isländische Fernseh-Übertragung aus, und zwar lange. Die Studio-Moderatoren schwafelten und zeigten immer wieder das gleiche Bild von der Berliner Fanmeile, Uhu sagt "das ist Folter", greift zum Handy und wählt die Nummer eines Aachener Freundes: "Hartmut, hier fällt das Fernsehen aus – wie steht das Spiel? Zwei zu Eins?!" und legt auf. "Zwei zu Eins für wen?" frage ich. Der junge Mann uns gegenüber tippt auf seinem Handy herum und sagt: "Ballack hat das Tor gemacht, Lahm hat vorgelegt". Durch die deutsche Zuhörerschaft geht leichte Bewegung. Irgendwann ist das Spiel wieder eine Zeitlang zu sehen – dann wieder Ausfall und das ewig gleiche Bild von der Berliner Fanmeile. Endlich kommt es wieder, und wir können gerade noch das 3:2 sehen, dann wieder weg, dann wieder da, und dann kommt auch schon der Schlusspfiff. Das ältere Paar vorne klappt seine Bücher zu und geht als erste. Der Kleidung nach müssen es Touristen sein – aus einem der Länder, die von Deutschland oder der Türkei rausgekegelt worden sind?? ;).

Am nächsten Tag fahren wir auf der Strsaße zwischen See und Gletscherzungen

weiter zum

Jökulsárlón.
Der ist eine der großen Touristen-Attraktionen Islands, in jedem Film oder Buch über Island zu finden. Ein See, in den eine Gletscherzunge des Vatnajökull ihre Eisberge kalbt, die dann langsam über einen kurzen breiten Fluss ins Meer hinaus treiben. Wir hatten ihn gesehen, haben jede Menge Bilder davon im Album und wollen jetzt dort nur übernachten, weil er auf unserer Strecke liegt.

Als wir bei strahlender Sonne am Abend hinkommen, sind wir fast enttäuscht: Der See ist so voll mit Eisbergen, dass man das Wasser fast nicht sieht. Erst auf einem kleinen Spaziergang sehe ich, dass der See weiter hinten, auf den Gletscher zu, viel freier ist.


Wir stellen uns zur Nacht jenseits des Flusses auf einen etwas erhöhten Parkplatz und bereiten uns zum Schlafengehen vor, aber daraus wird mal wieder nichts. Offenbar hat das Meer jetzt Hochwasser. Die Flut drückt das Wasser in den Fluss hinein, es entsteht ein Wirbel – und nach einiger Zeit beginnen viele Eisberge flussabwärts zu treiben, hinter einander wie in einer Prozession, mit beachtlicher Geschwindigkeit. Wir erklären uns das so: Das Meerwasser ist sicher erheblich wärmer als das Gletscherwasser, so dass die Eisberge, zumindest unten abschmelzen und sich vom Grund lösen. Außerdem kommen jetzt einige Seehunde den Fluss aufwärts geschwommen; es macht Spaß, sie zu beobachten, wie sie jagen: erst sieht man nur den Kopf, dann kommt der Rücken heraus, und – schwupp – tauchen sie ab! Ein Stück weiter über dem Fluss ein Schwarm Küstenseeschwalben – Flattern, hinabstoßen, aufsteigen, Kreischen; da muss ein Schwarm kleiner Fische sein. Wir schauen und schauen bis lange nach Mitternacht. Um uns herum kommen immer wieder PKWs an, halten eine Weile, fahren weg. Zwei junge Leute kommen in Wanderkleidung mit hohen Rucksäcken, sie haben offenbar jetzt eine Gletscherwanderung vor. Vor elf Jahren hätte mich so etwas auch gereizt; jetzt gehe ich doch lieber schlafen.

Am Morgen gegen fünf Uhr schaut strahlend blauer Himmel durch das Dachluk – ich muss einfach aufstehen. Katzenwäsche, warm anziehen, und weg. Auf einem Trampelpfad am See entlang, abwechselnd über die spärlich bewachsenen Hügel und über den Moränenschotter am Wasser. Etwa alle hundert Meter steht irgendwo ein Fotograf mit Stativ – in diesem Licht sind Eisberge und Gletscher natürlich am schönsten! Ein-, zweimal höre ich einen dumpfen Knall wie von einer fernen Explosion – wahrscheinlich kalbt der Gletscher. Aber ich kann keine Bewegung bei den Eisbergen am Rande des Gletschers entdecken. Einmal, als ich gerade unten am Wasser bin, höre ich ein kräftiges Plätschern – nicht weit von mir dreht sich ein durchsichtig-blauer Eisberg im Wasser um! Die Welle davon schwappt einige Sekunden später ans Ufer. Nach anderthalb Stunden kann ich das Ende des Sees sehen, aber zum Gletscher ist es doch noch zu weit; ich gehe zurück.

Noch etwas schlafen. Als wir gegen 11 Uhr Frühstück machen, tobt bereits der Touristenrummel. Wir schauen noch eine Weile der wieder einsetzenden Eisberg-Prozession zu und fahren weiter nach

Skaftafell.
Als wir vor elf Jahren diese Strecke fuhren, war es grau und kalt, alle Berge verhangen. Jetzt strahlt die Sonne, und an der Bergseite sehen wir Gletscher, Gletscher, weiß leuchtend wie Schlagsahne, eine Pracht!
Der Campingplatz Skaftafell ist uns in bester Erinnerung. Mitten in einsamer Natur, groß, mit schönen Grünfläächen zwischen den Büschen, mit allem ausgestattet, auch einem kleinen Kaufladen und einem Restaurant, das allerdings nur zum Mittagessen geöffnet ist. Jetzt ist die Rezeption moderner, sehr auf "Tourist Information" aufgemacht, im Fernsehraum werden nur Filme über Island gezeigt; um am Sonntag das Endspiel zu sehen, verweist mich die freundliche Dame an eine Tankstelle 5 km von hier.
Aber was mir nicht erinnerlich war: dass der nächste Gletscher so nah ist! Ganz niedrig zwischen den Bergen, direkt neben dem Campingplatz – man meint, in einer Viertelstunde zu Fuß müsste man da sein! Ist natürlich ein Irrtum, aber in einem Buch finde ich einen Rundweg von anderthalb Stunden, der den Gletscher berührt. Vor elf Jahren haben wir andere schöne Wanderungen hier gemacht, u.a. natürlich zum Swartifoss, dem Wasserfall zwischen schwarzen Basaltsäulen, der auch in keinem Island-Bericht fehlt.
Ob ich dieses Mal den Rundweg zum Gletscher mache, wird davon abhängen, ob sich bewahrheitet, dass die Tankstelle einen Fernseher hat. Sonst düsen wir morgen nämlich noch zum nächsten größeren Ort, wir Fussball-Chauvis! ;). Heute wurden bei wechselndem Licht die Gletscher nur fotografisch festgehalten.
Den 29. Juni 08:
Die Tankstellen-Restauration hat einen Winz-Fernseher oben in der Ecke hängen; die Wirtin scheint auch wenig Verständnis für unser Anliegen zu haben. Da sehen wir nichts! Also weiter gen Westen. Man wird mich für bescheuert halten, dass ich ein Fußball-Finale einer Wanderung zum Gletscher vorziehe, aber so sind wir eben. Der Gletscher begleitet uns noch ein Stück. Wir halten an einem Mahnmal für den großen Gletscherlauf von 1996 - zwei verbogene Eisenträger von der zerstörten Brücke, fahren über die neue Brücke über den Skeiðarasandur, fotografieren einen hohen schlanken Wasserfall in einer Idylle von hohen Felsen, grasgrünen Hängen, Islandpferden und hübschen Häusern,

und landen in

Kirkjubærklaustur.
Dort sofort zum Touristen-Info, das heute am Sonntagnachmittag geöffnet hat. Hinter einem bescheidenen Eingang in einem bescheidenen Raum sitzt ein netter junger Mann, der sofort versteht, als wir ihn nach einem guten Fernseher im Ort fragen: "You want to see the game!" Er beneidet uns, weil er bis neun Uhr Dienst hat, telefoniert für uns, der einzige Ort mit öffentlichem Fernseher ist das Restaurant-Ca´e in der Nähe, dort hat sich eine Gruppe angekündigt, die das Spiel auch sehen will; wenn die kommt, läuft der Fernseher, sonst nicht.
Wir parken beim Café, dort sagt man uns dasselbe, bzw. der Fernseher würde ohne Ton laufen wegesn der anderen Gäste, es sei denn, die Gruppe kommt tastsächlich. Wir setzen uns, jetzt um 17 Uhr, sicherheitshalber schon an einen guten Tisch und bestellen erst mal Kaffee und Kuchen, nach 18 Uhr das Abendessen. Gegen 18:30 kommt die Gruppe, ein Haufen meist junger Leute, offenbar gemischter Nationalität, wir können bei dem lauten Stimmengewirr kaum Sprachen ausmachen. Neben uns deutsche und englische Laute; an der Theke steht eine Gruppe Spanier, die öfters Grund zum Jubeln haben; einer von ihnen, sehr laut, nervt mich ziemlich. Der Geräuschpegel ist laut, da sind Gruppen, Familien, erst allmählich, als ein paar fußball-uninteressierte Gäste gegangen sind, scheinen die meisten Leute das Spiel zu gucken. Links neben uns hat sich ein Tisch mit fünf oder sechs blonden Kindern gebildet, die Karten spielen. Wie das Spiel war, brauche ich nicht zu kommentieren. Als wir nach dem Spiel an die Theke zum Zahlen gehen, wende ich mich an die lauten Spanier und gratuliere ihnen. Sie fragen nach meiner Nationalität und freuen sich sichtlich, dass ihnen Deutsche gratulieren, auch der Nervige ist nett. Sie erklären uns ihre Riesenfreude: Zum ersten Mal seit 44 Jahren gewinnt Spanien eine Meisterschaft! Das sei ihnen doch gegönnt!
Das Lokal leert sich. Nur die Spanier warten wohl noch auf die Pokalvergabe. Ich hätte gerne noch mit den Spaniern gefeiert, aber in Island gilt 0 Promille, und wir haben schon Wein und einen Brennivin intus, und müssen noch zum Camping fahren. Das tun wir.

Jetzt regnet es. Aber etwas entfernt von den Gletschern wird es doch wohl etwas wärmer, hoffentlich über 12°.
Fußball abgehakt, jetzt nur noch Island! .

Und heute, 30. Juni: 16 Grad Celsius, super! :)








Samstag, 21.06.2008

Fjorde, Fussball und viel Faulheit


Das ist einfach schön: Wenn man in einem Land schon ein paarmal war und nicht mehr gehetzt ist von dem Gedanken, welche wichigen Sehenswuerdigkeiten man noch sehen muss. Wir treiben uns nun die dritte Woche in den Ostfjorden rum, nicht weit von unserem Ankunftsort. Hier gibt es nicht Spektakulaeres, nur spitze, schneebedeckte Berge, hohe steile Felswaende, von denen alle paar Meter ein hoher Wassrfall in den Fjord stuerzt, jeder dritte waere in Mitteleuropa eine Touristen-Attraktion. Bei schoenem Wetter auf den flacheren Haengen rumlaufen ueber das islaendische Moos zwischen den weissen Zittergras-Blueten und den rosa Tuffs vom Stengellosen Leimkraut. Bei Regen durch kleine, aber sehr moderne Ortschaften gehen, in den Tankstellen-Imbissstuben essen - und da stehen natuerlich Fernseher, in denen die EURO 2008 laeuft, manchmal sehr winzig und ohne Ton, gestern hier in der Shelltankstelle in Reyðarfjörður auf einem schönen grossen Monitor Tuerkei-Kroatien.

Das war ja ein Nervenreisser am Schluss! Selbst die Islaender, die normalerweise nur schweigend dasitzen, gaben einen Laut von sich beim zweiten Tor! Bei Schweiz-Tuerkei hatte ich ja mit den Schweizern gehalten, weil sich die Tuerken ja mal uebel gegen die Schweizer benommen hatten, und gestern wusste ich nicht , fuer wen ich sein sollte, bis ich merkte, dass die Tuerken einen sehr guten Torwart haben, und ich wuenschte mir einen Elfmeter, und mein Wunsch wurde erfuellt. Der Tankwart hat auf seinem Internetplatz fuer mich den Kalender rausgesucht, und vielleicht sehen wir ja Deutschland-Tuerkei, da stehen sich dann zwei ausgezeichnete Torwarte gegenueber.

Jetzt Schluss, Nach "Hause", und Fruehstueck machen! Nein, soo spaet ist es noch nicht! Wir haben hier GMT, es ist erst 10 Uhr.

Montag, 16.06.2008

Lob des Lebertrans


Den 16. Juni 2008

 

Die Kinder für den Knochenaufbau, die Alten gegen die Osteoporose, sie brauchen Kalk. Zur Aufnahme des Kalks im Körper braucht man Vitamin D. Der Körper bildet Vitamin D mit Hilfe von Sonnenlicht, aber auch mit Hilfe der Einnahme von Tran aus der Vitamin-D-reichen Fischleber.

 

Iiii..! Lebertran!! Was sind wir als Kinder mit diesem ekelhaft schmeckenden Zeug gequält worden! Ersatzweise bietet man den heute in Kapsel- und Pillenform oder vermischt mit süßem Saft an. Aber auf das Einfachste kommt man nicht:

 

In Island kann man den Lebertran aus einer Anzahl von Fischen auswählen: Þorska (Dorsch), Ýsa (Schellfisch), Lúða (Heilbutt), Steinbítur (Seewolf), er steht in jedem Supermarkt im Kühlregal und er schmeckt überhaupt nicht eklig, sondern – mit feinen Nuancen je nach Fischart – nach gar nichts! Das ist nämlich der springende Punkt: der widerliche Lebertran unserer Kindheit war deshalb so widerlich, weil er immer ranzig war! Niemals scheint jemand auf die Idee gekommen zu sein, ihn gekühlt aufzubewahren.

 

Seit unserer ersten Islandreise, nachdem unsere mitgebrachten Vorräte aufgebraucht waren, haben wir von unserer überraschten Apothekerin beim Bestellen von Lebertran verlangt, die Flasche sofort nach Erhalt in ihren Kühlschrank zu stellen. Seitdem steht er bei uns im Kühlschrank, und bei trübem Wetter gibt es jeden Morgen einen Löffel Lebertran, für Uhu, der nicht oft rausgeht, sogar bei Sonne. Er schmeckt, wie gesagt, nach Nichts, und das sogar delikat..:)


Frage an Germanisten: Was ist ein Fjord?


Sonntag, den 15. Juni 2008

 

Wir stehen auf einer Schotterfläche etwas oberhalb des Wassers, jenseits desselben erheben sich Berge in ähnlicher Höhe wie hier neben unserem Standplatz. Stehen wir nun eigentlich im Fjord oder am Fjord??

 

Frage an Germanisten: was ist ein Fjord?

Ist es ein schmaler Meeresarm, der sich zwischen mehr oder weniger hohen Bergen tief ins Land einschneidet, also ist es nur das Wasser? Dann stünden wir hier am Fjord.

Oder ist es es die Landschaft: die hohen Berge mit dem Einschnitt des Meeres? Dann stünden wir im Fjord.

 

Ich brauche dringend eine Antwort, denn wir werden noch oft an oder in Fjorden stehen :-).

 

Spritpreis


Irgendwo im Fjord, Sonntag, den 15. Juni 2008

 

"Der Benzinpreis macht der Polizei Schwierigkeiten" buchstabiere ich mir aus einer isländischen Zeitung zusammen. Die Polizei kann nicht mehr genügend Streife fahren, weil durch den ständig steigenden Spritpreis nicht mehr alle Fahrzeuge eingesetzt werden können; der Jahresetat für Sprit wird weit überschritten.

 

Als wir am 3. Juni hier ankamen, kostete der Liter Diesel 177,2 Isländische Kronen, das waren bei dem damaligen Kurs von 120,6 Kronen pro Euro = 1,47 Euro pro Liter Diesel. Gestern kostete der Liter 191,8 IsKr, das ist ein Anstieg von 8,24% in 10 Tagen.

Für uns ist der Anstieg geringer, denn der Kurs der isländischen Krone betrug gestern 121,61 IsKr/Euro, wir zahlten also "nur" 1,58 Euro pro Liter Diesel. (Ich glaube, so viel kostete bei unserer Abfahrt der Diesel schon in Deutschland mancherorts). Schön, in Island scheint der Diesel im ganzen etwas billiger zu sein als in Deutschland, aber die Isländer sind echt gekniffen!

 

Mich würde interesieren, was inzwischen der Diesel in Deutschland kostet.

 

Über Spekulation mit Öl und anderen Rohstoffen sowie mit der Isländischen Krone ja einige von Euch auch im SPIEGEL dieser Woche gelesen haben. (Schön, dass man den hier in jedem großen Supermarkt kaufen kann, so sind wir nicht ganz aus der Welt).

Danke, Irland


Danke, Irland!

 

Egilsstaðir, den 13. Juni 2008

Endlich klappte es mal, die Deutsche Welle zu hören – und was höre ich? Die Iren haben mit 53% der Stimmen den EU-Vertrag abgelehnt!

 

Da war ich doch überrascht! Ich hatte ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ich wegen der Reisevorbereitungen mir nicht die Zeit genommen hatte, mich an der Kampagne: "Vote No!" zu beteiligen, mit der das unmündig gehaltene europäische Wahlvolk die Iren bat, mit Nein zu stimmen. Jetzt haben sie also auch ohne mich ;) diesen unsäglichen, unsozialen, neokapitalistischen, militaristischen Vertrag abgelehnt!

 

Frage: wie wird es jetzt weitergehen? Ich meine nicht mal, ob und wie ein neuer EU-Vertrag ausgehandelt wird, sondern:
Werden die verschiedenen europäischen Regierungen jetzt sagen: "Man sieht, wenn man das Volk abstimmen lässt, macht es nicht was wir wollen" – die französische und die niederländische Regierung hatten ja schon nach der ersten Abstimmung über die Verfassung die Konsequenz gezogen und für dieses Mal den Volksentscheid unterbunden - ? Werden jetzt all die Bemühungen um mehr direkte Demokratie, die es ja zur Zeit auch in Deutschland gibt – Volksentscheid, Bürgerbeteiligung und Bürgerbegehren in der Kommunalpolitik etc. - , wieder zurückgedreht werden?? Nicht jede Regierung wird wohl den gleichen Weg gehen wollen wie unserer Aachener OB, der nach der Riesen-Ohrfeige durch den Bürgerentscheid gegen das schon fest geplante "Bauhaus Europa" jetzt bei jedem neuen Projekt jede Menge Information und Anhörungen veranstaltet.

Abwarten.

 

Aber für heute: Danke, Irland!

 

Donnerstag, 12.06.2008

Globalisierung neu.doc


Globalisierung und Telekommunikation

 

Unser erster Handyvertrag war mit Mannesmann. Als die von Vodafone geschluckt wurden, waren wir wütend gingen zur Telekom über,

 

Auf unseren Islandreisen haben wir immer, um die teuren Roaming-Kosten einzuschränken, für eines unserer beiden Handys einen Vertrag mit der nationalen Telefongesellschaft Siminn gemacht und Prepaid-Karten gekauft. Auch heute wollten wir das wieder machen, da wir aber an dem Haus, in dem sonst Siminn war, kein Schild gesehen hatten, fragten wir die Camping-Angestellte, und es kam raus:

 

Siminn hat nicht nur in Egilsstaðir sondern in mehreren Städten seine Büros geschlossen – das weitaus größte Mobiltelefonnetz in Island hat jetzt Vodafone!

 

Die Vertretung für Vodafone hier hat der Tankstellen-Laden, und wir haben dort zähneknirschend einen Chip und Prepaid Card von Vodafone gekauft. Auf dem Display des Handys steht jetzt "Siminn Vodafone".

 

Übrigens: nach einem Schaubild scheint das Netz von Vodafone jetzt wirklich ganz Island abzudecken, einschließlich des inneren Hochlands, und das ist interessant. Island hatte nämlich vor einigen Jahren ein eigenes Satelliten-Telefon installiert, mit dem man auch vom Hochland aus telefonieren konnte; bei unserer letzten Reise vor fünf Jahren hatten wir uns nach dem Preis für das entsprechende Gerät erkundigt, es war uns zu teuer. Zudem erfuhren wir, dass man auch vom Hochland aus den über dem Äquator kreisenden Satelliten nur erreichen konnte, wenn man auf den nächsten Berg stieg. Das ist also jetzt gegenstandslos: Vodafone hat mit seinen Umsetzern das isländische Satellitentelefon uninteressant gemacht!

 

Das ist Globalisierung! Ich bin wirklich gespannt, wann Vodafone auch die deutsche Telekom bzw. T-Mobile schluckt!

 

Einen Fortschritt haben wir allerdings festgestellt: wenn ich von meinem immer noch deutschen Handy Uhus "isländisches" Handy anrufe, kann ich das ohne die Vorwahl für Island – es ist also ein inner-isländisches Gespräch. Früher ging das ja Island-Deutschland-Island und war teuer. Das ist wohl die Auswirkung der EU-Vorschriften gegen die allzu teuren Roaming- Gebühren? Obwohl Island ja nicht in der EU ist.

 

Mjoifjörður


Sonntag, den 8. Juni2008

Ich sitze im Wagen vor dem Laptop, neben mir ein Glas des reinsten, köstlichen Quellwassers, handgeschöpft von mir an dem kristallklaren Rinnsal, das ein Stück neben dem prächtigen Wasserfall in kleinen Kaskaden den Abhang hinunter in den Straßengraben rinnt. Vor den Bergrücken jenseits des Fjords ziehen schmale, dichte Nebelstreifen auf.

Dass wir seit zwei Tagen in dieser Einsamkeit, einfach an der Straße in der freien Natur stehen können, verdanken wir einem Irrtum: in dem kleinen Unterkunfts-Handbuch vom Isländischen Fremdenverkehrsbüro war unter Campingplätzen einer namens "Sólbrekka" hier am Mjóifjörður aufgeführt, an der Straße zum Leuchtturm Dalatangi. Da wir nun mal die Einsamkeit lieben, wollten wir als erstes nach Egilsstaðir dorthin. Die Erdstraße sei offen und befahrbar, sagte man uns in Egilsstaðir.

Eine gut gewartete Schotterstraße – aber sie hat es in sich! Gleich am Anfang ein Schild: nur 4x4, und 18% Gefälle. Nach der Karte dachten wir, sie führt zwischen zwei Bergrücken durch, aber es ging doch auf über 600 m hoch, und oben lag beiderseits der Straße noch dicker Schnee. Dann die steilen, kurzen Gefälle, ständig in engsten Kurven, sehr langsam und umsichtig zu fahren - nichts für Payboy-Touristen, die mal mit Schwung hinunterrauschen wollen! Weiter unten wird die Landschaft braun, dann grün, dann die Straße am Fjord entlang bis Sólbrekka: eine Tanksäule, ein Haus, das man für einen Laden halten kann, weiter oben eine Reihe Häuser – nichts von einem Campingplatz. Wir fragen den einzigen Menschen, der sich zeigt; auf mein mühsames Isländisch kommt (wie immer) die spontane Antwort: "do you speak English?", und dann erklärt er uns, das Camping sei "under construction" und zeigt auf die Wiese gegenüber der Tankstelle. Auf die Frage, wo wir nun bleiben können, meint er, wir könnten hier parken ( :( ), oben bei den Häusern sei wohl kein Platz, aber wir könnten die Straße weiter nach Dalatangi nehmen; dort würden wir wohl den einen oder anderen Platz zum Parken finden.

So sind wir nach einigem Suchen hier gelandet: direkt hinter einer Brücke, von der man auf den prächtigen Wasserfall der Hofsá blickt, dort ist eine ziemlich breite Ausweiche mit einem großen Stein, den wir natürlich für einen Elfenstein halten. Auf dem grasbewachsenen sanften Abhang zum Fjord grasen Schafe und ziehen nach einem unerklärlichen System von einem Platz zum anderen, auf dem Wasser ziehen Gruppen von Eiderenten in Formationen nach unerklärlichem System umher. Jetzt am Abend erscheint ein Pärchen dieser Enten plötzlich hier oben und watschelt die Straße entlang, er so deutlich schwarz-weiß gezeichnet, sie graubraun und nicht vom Straßenschotter zu unterscheiden. Eine Bachstelze ist auch da. Ich wandere die Straße weiter; allüberall Rinnsale und Wasserfälle, kleine und große. Schon ein paar Blümchen, wenige rosa Tuffs vom Stengellosen Leimkraut, mehr weiße Buschwindröschen (?).

Als wir vorgestern abend ankamen, strahlte die Sonne, gestern war alles verhangen, nachmittags und die ganze Nacht regnete es gründlich, heute strahlte wieder die Sonne, und jetzt zieht von See her dichter Nebel auf; bald werden wir nichts mehr sehen können. Morgen müssen wir zurückfahren, denn wir können hier nirgends entsorgen. Hoffentlich ist bis dahin der Nebel weg.

Aber wir freuen uns sehr, dass das Camping noch "under construction" ist – die Wiese gegenüber der Tanke hätte uns nicht gefallen!

Montag, den 9. Juni 2008:

In der Nacht war wirklich dicker Nebel um uns, aber vormittags wurde es besser, und ich kam gut die Berge hoch. Ein b is zwei Aufnahmen von dem Schnee muss ich hier doch einsetzen:

 

Das ist der Blick, den wir drei Tage lang von unserem Standplatz hatten:

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 03.06.2008

Angekommen im Vorfruehling


Egilstaðir, den 3. Juni 2008

So, da waeren wir! So ganz "angekommen" bin ich noch nicht.

Die Reise bis Hanstholm war uebrigens sehr schön; Murphy schlug nur einmal zu in Gestalt des verstopften Reservetank-Vorfilters (nachdem der Haupttank natuerlich fast leer war und die naechste Tanke kam und kamm nicht - aber mit letztem Tropfen ging es noch).

Ich wusste nicht, dass der Norden Juetlands so eine schöne Landschaft ist, huegelig, gruen, durchsetzt vom Wasser der Sunde. Dazu ein herrliches Sommerwetter. Das hatten wir auch noch auf der Norröna am Nachmittag der Abreise, man konnte auf Deck sonnenbaden.

Ab Bergen wurde es dann graduell kaelter und trueber, auch die Færöer begruessten uns mit Schmuddelwetter. Aber so eine dreitaegige Reise mit einem Schiff, das so gute Stabilisatoren hat wie die Norröna ist ja etwas sehr Erholsames nach all dem Stress.

Mal sehen, wie es weitergeht. Auf dem bekannten Campingplatz einen schönen Platz gefunden, im bekannten Tankstellen-Restaurant bekannt gut gegessen, morgen Grosseinkauf, und dann mal schauen. Vielleicht komme ich auch noch mal in diese Bibliothek mit ganzen 2 Internetplaetzen, um mir meine Blogroll anzusehen. Fuer heute alles Gute!

Mittwoch, 28.05.2008

Ich bin dann mal weg


(Nein, Herr Kerkerling, bitte keine Abmahnungen! Dies ist eine gängige deutsche Redensart!)


Die letzten Wochen vor unserer Abreise vergingen ziemlich nervig, nach Murphy's Law: Was schiefgehen kann, geht schief. Eine Reparatur an unserem Badezimmer, die seit 3/4 Jahr fällig ist, und dann plötzlich Anfang letzter Woche in den letzten zwei Tagen vor unserer vorgesehenen Abreise stattfinden sollte, lehnten wir ab. Aber es nützte nichts. Eine Abfluss-Verstopfung in der Wohnung von Frau Lerche über uns wurde so gründlich vorgenommen, dass nicht nur die beiden Wohnungen darunter nasse Wände hatten, sondern auch der Keller im Wasser stand. Das Loch im Rohr fand man erst nach Aufhacken unserer Badezimmerwand. Die hat jetzt Zeit zum Austrocknen und wird erst nach unserer Rückkehr im Herbst wieder zugemauert werden; inzwischen krümelt sie in die Badewanne, Frau Lerche wird ein Auge drauf haben. Die Verwaltung des Hauseigentümers sieht all diese Dinge ziemlich lässig...


Aber durch die Umstände konnten wir uns die erste Woche der Reise (in Deutschland) abschminken und werden (hoffentlich!) morgen endlich starten, gemütlich durch Deutschland und Dänemark zockeln, um ab Samstag auf der Fähre erst mal drei Tage lang auszuruhen. Wann ich in Island mal an ein Internet komme, weiß ich nicht.


Schade, die aufblühenden Rosen und Iris in unserem Gärtchen bekommen wir nicht mehr mit.


Euch wünsche ich einen schönen Sommer. Wir fahren ja jetzt erstmal in den Vorfrühling.


Bis da neulich!


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Freitag, 23.05.2008

Ich Idiotin! oder: Cosí fan tutte (le assicurazioni)


Gerade noch rechtzeitig gesehen: unsere Grüne Karte ist abgelaufen. Also am Mittwoch die Kfz-Versicherung anrufen. Auf der letzten Beitragsrechnung eine 0180-er Nummer für die Kundenberatung, mit Sternchen dahinter. Die Erläuterung für das Sternchen fand ich unten auf der Seite nicht, aber ich dachte mir: wird schon 12 Cent pro Minute kosten.


Anruf, "Drücken Sie die Eins....", gedrückt, dann das Tonband "Alle Beraterplätze sind zur Zeit besetzt; bis ein Platz frei wird, kann es einige Minuten dauern. Damit Sie nicht zu viel Zeit vergeuden, raten wir Ihnen, zu einem späteren Zeitpunkt anzurufen". Das ist aber sehr aufmerksam, dachte ich und legte auf. Später wieder angerufen, derselbe Text. So ging es am Mittwoch noch einige Male. Ich habe die Erfahrung: wenn man nicht ewig in einer teuren Warteschleife hängen will, muss man frühmorgens anrufen.


Donnerstag war Feiertag, also rief ich heute früh an - wieder das gleiche Spiel. Im Telefonbuch von der hiesigen Vertretung nur die Adresse, keine Telefonnummer außer der 0180-er. Ich hab doch keine Zeit mehr, dort hinzurennen, und die werden mir die Karte auch nicht gleich ausdrucken können! Fast mechanisch suchte ich auf der Beitragsrechnung nochmal nach der Erläuterung des Sternchens. Ich fand sie unterhalb der verschiedenen Service-Nummern: "6 ct" - oh, dachte ich, das ist ja noch billig, da könnte man sich eine längere Warteschleife leisten, und las weiter: - "pro Anruf" !!!


Ich Idiotin!! Deshalb diese freundliche Aufforderung, doch lieber später nochmals anzurufen - damit sie möglichst oft die 6 Cent kassieren können! Ich hätte ohne weiteres für 6 Cent stundenlang in der Warteschleife bleiben können!


Also nochmals angerufen, diesmal drangeblieben und mit ans Ohr geklemmtem Hörer Kaffee gekocht. Aber es dauerte überhaupt nicht lange, dann war eine Beraterin dran, und die Sache ging problemlos. Ich werde die neue Grüne Karte wahrscheinlich noch rechtzeitig bekommen. Im Laufe der Warteschleife kam übrigens dann später auch eine Ansage, dass ein Anruf 6 Cent kostet.


Ärgerlich ist natürlich nicht so sehr, dass ich am Mittwoch für 36 statt für 6 Cent telefoniert habe, sondern dass ich nicht durchkam und beinahe meine Sache nicht mehr hätte erledigen können.


Diese Versicherung, die hauptsächlich Leute aus dem Öffentlichen Dienst bedient, habe ich eigentlich immer als seriös und kulant erlebt. Aber auch sie kann es wohl nicht lassen, mit so kleinen Tricks und Gaunereien ihre Kundschaft hinters Licht zu führen. So machens alle! Cosí fan tutte!


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Donnerstag, 22.05.2008

Der Georg-Schramm-Thread


Ich möchte meine geneigten Leser, die ab und zu nach meinem jeweils letzten Beitrag Ausschau halten, mal auf etwas aufmerksam machen:


Am 4. April des Jahres 2006 (!) veröffentlichte ich einen Beitrag mit der Überschrift "Bitterböses Kabarett: Georg Schramm", der seitdem bei Google unter "Georg Schramm" ständig ziemlich vorn auf der ersten Seite steht und daher sehr häufig angeklickt wird. Anderthalb Jahre später kam ein neuer Kommentar, und danach hat sich der Thread zu einem richtigen Forum über Kabarett im Allgemeinen und Georg Schramm im Besonderen entwickelt. Heute kam ein hochinteressanter Beitrag von Katte, der das Lesen lohnt.


Ich hatte zwischendurch versucht, die eifrigen Diskutanten auf meine aktuellen Posts über Kabarett umzulenken, aber sie wollen nicht. Offenbar gehen sie nur über Google und landen dadurch immer bei dem alten Thread.


Wer also sich für Kabarett interessiert und Lust hat, geht mal auf http://alteeule.blogg.de/eintrag.php?id=124 und dort auf die letzten Kommentare.


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Mittwoch, 21.05.2008

Wir finden das unverschämt


Uhu hat endlich, endlich die lange angestrebte Digitalkamera gekauft. Wir sind beide völlige Neulinge in dieser Materie Das Teil hat unendlich viele Funktionen, und natürlich braucht er dazu eine gründliche Bedienungsanleitung. Die mitgelieferte Broschüre ist aber nur eine Kurzfassung, mit der er nicht gut zurecht kommt.


Eine "Erweiterte Anleitung" ist auf CD mitgeliefert, die ich natürlich auf dem Laptop installiert habe. Aber Uhu ist in Computer Totalanfänger, bedient Tastatur und Touchpad nach dem Kolumbus-System. Er will fotografieren, nicht computern! Und wer schleppt den Computer zum Fotografieren mit rum? Also muss die Anleitung ausgedruckt werden. Deutsche Fassung 96 Seiten! Zum Mitnehmen in der Tasche muss es Broschürendruck sein (die Schrift wäre mir dann zu klein, aber Uhu kann das lesen). Wir könnten die CD jetzt zum nächsten Kopierladen bringen, die würden das als Broschüre ausdrucken und heften, aber ich will es wissen, fange an, es selber im Broschürendruck auszudrucken, verheddere mich dabei fürchterlich, bringe es schließlich zuende und nähe die Broschüre in der Mitte sogar richtig zusammen.


Aber: wir finden das unverschämt! Da spart sich die Industrie anständige Bedienungsanleitungen, indem sie einfach eine CD dazulegt und halst das Drucken der Broschüre, Papier, Tinte, Arbeit, der Kundschaft auf. Denn schließlich: Mit einer Bedienungsanleitung am Computer kann man beim Fotografieren nichts anfangen!


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